Kopf des Tages:Mohammed al-Maktum - mehr Scheich als reich
Seit drei Jahren regiert Mohammed al-Maktum das Emirat Dubai. Ihm gelang es, den Sandflecken in eine prosperierende Region zu verwandeln. Die ausländischen Geldgeber vertrauten ihm blind. Nun stürzt Dubai ab.
von Claus Hecking
Seine Gesichtszüge sind in den vergangenen Monaten noch härter geworden, die Falten unter den Augen noch tiefer. Man sieht Mohammed al-Maktum an, wie sehr er unter dem Niedergang seines Lebenswerks leidet. Der Emir war der Vater des Dubaier Wüstenwunders: der Magier, der einen rückständigen Sandflecken binnen anderthalb Jahrzehnten in die vielleicht dynamischste Region der Welt verwandelte.
Doch jetzt können die Unternehmen der "Dubai Inc." ihre Schulden nicht mehr rechtzeitig bedienen. Es ist das Ende der Legende vom unbesiegbaren, allmächtigen Herrscher, an die sich Hunderttausende seiner Untertanen und Investoren aus aller Welt geklammert haben. Ein Gesichtsverlust, eine Demütigung für den 60-Jährigen.
Scheich Mohammed al-Maktum
"Ich weiß nicht, ob ich ein guter Staatsmann bin", hat der Hobby-Poet einmal gesagt. "Aber ich bin einer mit Vision." Und mit jeder Menge Tatendrang. Al-Maktum gründete Emirates, eine der größten und profitabelsten Fluggesellschaften der Erde, die das einst so isolierte Dubai zum Drehkreuz Nummer eins zwischen Europa und Asien machte.
Er baute den Burj Al Arab und verlieh dem segelartigen Luxushotel gleich sieben Sterne - obwohl es streng genommen nur fünf Sterne gibt. Die größte künstliche Insel der Welt, die erste Skiarena inmitten der Wüste, der höchste Wolkenkratzer: Prestigebauten haben Dubai berühmt gemacht, Millionen von Touristen verlockt, ihren Urlaub auf der Baustelle zu verbringen. Und entsprungen sein sollen alle diese Projekte dem Kopf von "Scheich Mo", wie ihn seine Untertanen nennen.
Schon als Kind sei Mohammed ein Mastermind gewesen, verbreiten seine Hofbiografen. Mit 19 wurde Mohammed auf die britische Militärakademie Aldershot geschickt, mit 22 kehrte er in die Vereinigten Arabischen Emirate zurück und wurde jüngster Verteidigungsminister der Welt. Dann sollte er den Wirtschaftsumbruch vorantreiben. Denn früh war abzusehen, dass Dubai bald das Erdöl ausgehen würde.
Von den paar Tausend verkauften Fass Öl pro Tag allein ließ sich das Wüstenwunder nie finanzieren. Dubai war seit jeher auf das Wohlwollen fremder Geldgeber angewiesen. Und die vertrauten Mohammed al-Maktum spätestens nach seiner Thronbesteigung vor drei Jahren blind - bis zum Ausbruch der Finanzkrise vor gut einem Jahr. Da kam Dubais Herrscher plötzlich in Liquiditätsnöte, musste sich vom Bruderemirat Abu Dhabi helfen lassen. Es folgte eine Phase trügerischer Ruhe. "Ich bin zuversichtlich, dass das Schlimmste vorbei ist", sagte Scheich Mohammed noch vor wenigen Wochen.
Vielleicht hat er das ganze Desaster vorausgeahnt. "Wie kostbar ist der Tag, folgt auf ihn doch die Nacht", hat er einst gedichtet. "Dauerte er ewig, wäre er unerträglich / Ein ewiger Frühling wäre den Menschen längst nicht mehr erstrebenswert." Jetzt erwartet ihn ein langer, harter Winter.
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