Exklusiv
Die finanzielle Misere des Entschädigungsfonds der deutschen Wertpapierbranche ist viel gravierender als bislang bekannt. Nach FTD-Recherchen reichen die Beitragseinnahmen seit Jahren nicht einmal aus, um die eigenen Verwaltungs- und Prozesskosten zu decken. von Heinz-Roger Dohms, Frankfurt
Im Jahr 2009 zum Beispiel standen Beitragseingängen von 0,9 Mio. Euro Bürokratiekosten von 3,7 Mio. Euro gegenüber. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor, den der Fonds zwar unter Verschluss hält, der der FTD aber vorliegt.
Der EdW genannte Fonds ist die Entschädigungseinrichtung für Aktienbroker, Vermögensverwalter und Kapitalanlagefirmen. Geht ein Mitglied bankrott, sollen die übrigen für dessen Anleger haften. Die Pleite des EdW-Mitglieds Phoenix 2005 sprengte das System jedoch: Die meisten EdW-Firmen weigern sich, für den Schaden von gut 250 Mio. Euro aufzukommen. In einem Musterprozess 2008 bekamen die Mitglieder zunächst recht. In Kürze werden die Streitigkeiten neu aufgerollt.
Damit die geprellten rund 30.000 Phoenix-Kunden trotzdem entschädigt werden, hat der Bund die EdW bereits mit einem 128-Mio.-Euro-Kredit versorgt. Bald sollen weitere 141 Mio. Euro fließen. Finanzpolitiker im Bundestag geben das Geld großteils verloren. "Ich glaube nicht, dass die Kredite jemals in vollem Umfang zurückfließen werden", sagte FDP-Finanzexperte Frank Schäffler der FTD. Ähnlich äußerte sich sein SPD-Kollege Carsten Schneider: "Wir werden das Geld wohl nicht mehr komplett wiedersehen."
Die Zahl der EdW-Mitarbeiter ist inzwischen von anfangs sechs auf etwa 40 gestiegen. Die Kosten für die Dutzende von Prozessen, die die EdW führt, lassen sich aus den Geschäftsberichten zwar nicht exakt ablesen. Allein für ein verlorenes Verfahren gegen den Wirtschaftsprüfer Ernst & Young fielen aber gut 3 Mio. Euro an. Kürzlich wäre eigentlich die erste Rate für den 128-Mio.-Euro-Kredit des Bundes fällig gewesen, rund 27 Mio. Euro. Der Fonds blieb das Geld schuldig: Die EdW-Mitglieder überwiesen nur 2,7 Mio. Euro.
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