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15.07.2010, 13:00
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Abschiedsbrief an den Brief
© Bild:
2010 ddp
Lieber Brief, es war ein schwarzer Tag für Dich. Die Deutsche Post hat sich von Dir abgewandt. Ihr zukünftiges Glück, sagt sie, liege in der elektronischen Korrespondenz. Wenn das mal gut geht ...
von Leo Klimm Hamburg
und Nikos Spath, Bonn
In einem gläsernen Büro im 39. Stock des Bonner Post Towers steht ein Tischkicker. Er gehört
Jürgen Gerdes und steht nicht zur Zierde rum. "Der ist gerade renoviert worden, der alte war durchgespielt", sagt Gerdes und grinst. Der Briefvorstand ist ein Offensivspieler, einer der sich nach oben gerackert hat, seit er 1984 in die damalige Bundesbehörde kam. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Seine Initialen stehen auf seinen Hemdsärmeln, die er gern hochkrempelt.
Am Mittwoch, bei der wichtigsten Präsentation seiner Karriere, der des E-Postbriefs, stellte Gerdes sein großes Ego erneut zur Schau. "Meine größte Sorge ist, dass Schalke nächste Saison wieder nicht Deutscher Meister wird", sagte er. "Im Geschäftsleben dagegen bin ich relativ angstfrei."
Funktionsweise des elektronischen Briefs
Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht. Gerdes weiß: Seine Karriere steht und fällt mit dem Erfolg dessen, was er da in der Konzernzentrale dem Land vorstellt. Der neue elektronische Brief ist das Projekt des Jahrzehnts. Er wird auch entscheidend sein für die Zukunft von Post-Chef
Frank Appel , der sich, wie Gerdes, nicht vor großen Worten scheut. Er spricht von einer "Revolution", die das Leben der Kunden einfacher machen werde.
Rechnungen, Verträge, Behördenpost: Wichtige Dokumente sollen die Deutschen ab sofort über das Onlineportal
www.epost.de empfangen und versenden. Die Post-Manager beteuern, die Korrespondenz sei so vertraulich, verlässlich und verbindlich wie der klassische Brief - dank der Überprüfung von Sender und Empfänger und dank hoher Sicherheitsstandards wie einer Pin. Die empfangenen Unterlagen können Nutzer in einem digitalen Safe beliebig lang speichern.
Dazu soll die E-Post-Adresse Geschäftsfelder erschließen, soll etwa Legitimation sein für die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten oder beim Lottospielen. Es gibt bereits Kooperationspartner wie den ADAC oder Lotto Hessen. Und so ganz nebenbei will Gerdes mit einem eigenen elektronischen Gebührenmodell "Onlinebezahlsystemen in Deutschland zum Durchbruch verhelfen".
Die
Post macht den Schritt in die Onlinewelt nicht freiwillig. Der Siegeszug der E-Mail nagt am Briefgeschäft. Immer weniger Schreiben werden auf Papier versandt. Schon in fünf Jahren, so schätzt der Unternehmensberater Walter Trezek, werden bis zu 40 Prozent der Papierbriefe verschwunden sein.
Teil 2: Flucht nach vorn mit dem E-Brief
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Aus der FTD vom 15.07.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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