26.01.2010, 08:30
Agenda: Tag der Onlineabrechnung
Mit günstigen Konditionen lockte Sofortüberweisung.de Händler im Internet. Jetzt gerät der Bezahldienst in die Kritik. Rivale Giropay wirft den Angreifern Sicherheitsmängel vor. Die wittern eine Kampagne der Finanzbranche.
von Matthias Lambrecht, Frankfurt
Nein, das geht nicht, das treibt auch einem Zahlenmenschen wie Jens Lütcke die Wut in den Bauch, so sehr, dass er seinem Kollegen mitten in die Erklärung hineinredet. "Anfangs hat man uns nicht richtig ernst genommen, da waren wir zu klein und hatten kaum Geld", beginnt Marketingchef Georg Schardt zu erzählen. Und schon fährt Lütcke dazwischen: "Und jetzt", sagt er, "wird versucht, über alle Kanäle gegen uns mobilzumachen. Dagegen kann man sich als junges Unternehmen nur schwer wehren."
Es ist ein Kampf wie David gegen Goliath, in einem boomenden Markt: dem der Internetbezahldienste. Noch dominieren die großen Kreditkarten und die
Ebay -Tochter Paypal das Geschäft. Dahinter folgen Newcomer wie Giropay, der Bezahldienst von Postbank, Sparkassen und Volksbanken. Und eben Sofortüberweisung.de, der Dienst von Schardt und Lütcke. Er ist schneller und billiger als die anderen, macht Gewinne und wächst mit ungeheurem Tempo. Eine Gefahr für die Großen. Und so schlagen sie zurück, mit Klagen und Vorwürfen: Das Treiben von Sofortüberweisung.de sei Wettbewerbsverzerrung. Ende März kommt es vor Gericht zum Showdown. Das Ende einer Erfolgsgeschichte?
Vor drei Jahren hat sie begonnen. Der Unternehmer Christoph Klein kauft einen kleinen Bezahldienst und gründet daraus in Gauting bei München die Firma Payment Network. Als Investor gewinnt er die Familie Reimann, reich geworden mit dem Geschirrspüler Calgonit. Die Geschäftsidee: die Bezahldienste im Internet zu vereinfachen und für die Händler billiger zu machen. Gerade zu Giropay ist der Unterschied eklatant. Dieser Anbieter leitet den Kunden direkt auf die Website der beteiligten Bank. Sofortüberweisung.de bietet dagegen den Zugang zu allen Banken an. Pin und Tan können direkt bei ihnen eingegeben werden. Außerdem informiert der Bezahldienst den Händler sofort, wenn die Überweisung angeordnet ist, dieser muss also nicht auf den Eingang auf seinem Konto warten und kann die Ware früher abschicken. "Sämtliche Versuche der Kreditinstitute, etwas Vergleichbares zu etablieren, sind gescheitert", sagt Vorstandsmitglied Schardt. "Eigentlich ist deren Versagen unser Geschäftsmodell."
Payment-Network-Marketingvorstände Georg Schardt (l.) und Jens Lütcke
Inzwischen nutzen 10.000 Händler das Angebot, die Drogeriekette Rossmann und der Elektronikhändler Conrad ebenso wie die Fluggesellschaften KLM und Emirates. "Wir sind ganz happy", schwärmt Holger Hengstler, Geschäftsführer des Modeversands Dress-for-less. Seit zwei Jahren arbeitet er mit Sofortüberweisung.de. Die Kunden hätten den Dienst auf Anhieb angenommen. "Die haben inzwischen die beste Quote aller Zahlungsmittel, die bei uns im Einsatz sind. Und die Schadensfälle tendieren gegen null." Vor allem gefällt den Händler aber eines: die niedrigen Provisionen und dass der Service alle Banken abdeckt.
Und so macht der Neuling mit seinen 50 Mitarbeitern bereits Gewinn und wollte in diesem Jahr einen weiteren Schritt vornehmen. Gegenüber 2009 sollte sich der Umsatz auf mehr als 10 Mio. Euro verdoppeln - bei zwölf Millionen Transaktionen.
Zahlen, die sich überschaubar anhören. Doch es steckt mehr dahinter. Der Newcomer ist dabei, die Branche umzukrempeln. "Der Markt für Bezahldienste ist in Bewegung", sagt Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung. "Sofortüberweisung.de ist der Anbieter, der am stärksten zulegt." Knapp 28 Prozent der befragten Unternehmen setzen Sofortüberweisung.de ein, weitere 20 Prozent planen die Einführung im laufenden Jahr.
Teil 2: Warum der Aufsteiger als unsicher gilt
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Aus der FTD vom 26.01.2010
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