Mit dem Einstieg ins Cloud-Computing sind für Unternehmen enorme Chancen verbunden. Wie das Ganze funktioniert, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten sind – und was viele Firmen dennoch zögern lässt.
Neelie Kroes ist EU-Kommissarin für die Digitale Agenda und Mitglied der niederländischen Liberalen
Viviane Reding ist EU-Justizkommissarin und gehört der Christlich Sozialen Volkspartei in Luxemburg an
Cloud-Computing - das Auslagern von IT-Dienstleistungen in die "Wolke" des Internets - ist ein völlig neues Modell der Datenverarbeitung, und Europa muss sich an dieser Revolution ohne Wenn und Aber beteiligen. Millionen nutzen bereits die Vorteile von Cloud-Diensten wie Facebook, Spotify und Webmail. Für die Gesamtwirtschaft zeigt sich der Nutzen aber erst richtig, wenn Unternehmen und staatliche Stellen im großen Stil Cloud-Dienste nutzen.
Cloud-Computing bedeutet billigere und flexiblere Informationstechnologie. Es bedeutet neue Chancen für Unternehmensgründer, denen das nötige Kleingeld für ein eigenes Rechenzentrum fehlt, bevor sie ihre Geschäftsidee ausprobieren. Und es bedeutet bessere Möglichkeiten, den Verbrauchern rechtliche Informationen zur Verfügung zu stellen, die das in ganz Europa fordern. Und Berufsgruppen wie Wissenschaftler bekommen dadurch die Möglichkeit, in bisher nicht gekanntem Tempo und Umfang mit Menschen rund um den Globus zusammenzuarbeiten.
In einer Zeit, da Computer Flugzeugen den Rang als wachstumsstärkster Kohlendioxidemittent ablaufen, ist eine effizientere Nutzung von Rechenleistung auch ein willkommener Umweltschutzfaktor. Die Vorteile können sich in jedem Teil der Volkswirtschaft manifestieren - überall, wo Informationstechnologie zum Einsatz kommt. Deshalb müssen wir in Europa unsere Anstrengungen koordinieren und gemeinsam dafür sorgen, dass jeder seine Rechte kennt und niemand zurückgelassen wird. Mit diesem Ansatz profitieren alle von den 160 Mrd. Euro pro Jahr, die aus einer Verbesserung des rechtlichen Umfelds resultieren würden.
Viele werden sich fragen, welchen konkreten Einfluss die Europäische Union auf diese sehr schnellen Marktentwicklungen nehmen kann. Die Antwort lautet nicht, dass die Regierungen und die EU-Kommission in Brüssel die Cloud kontrollieren sollen. Aber wenn es eine grenzenlose Ressource wie die Internetwolke gibt, müssen auch die Vorschriften für die Aufsicht grenzenlos, aktuell und so stabil wie möglich sein.
Der Nutzung von Cloud-Diensten steht im Weg, dass das Vertrauen in die neue Technik fehlt, und das müssen wir direkt angehen. Den Anfang haben wir bereits gemacht - mit einem Vorschlag, den Europäern ein einheitliches Regelwerk für das digitale Zeitalter zu geben. Wir wissen um die Bedeutung von Daten für unsere digitale Wirtschaft, einschließlich der persönlichen Daten. Sie sind wie eine Währung: Die Menschen müssen Vertrauen in sie haben, und sie muss frei fließen.
Doch heutzutage ist es praktisch unmöglich, seine Cloud-Daten ohne Weiteres von einem Serviceanbieter zum nächsten zu übertragen. Fehlende technische Standards und verklausulierte Verträge, die der normale Nutzer oft nicht versteht, sind dabei auftretende typische Probleme. Viele Privatnutzer und kleine Unternehmen sind sich der Grenzen der Angebote nicht bewusst und finden sich letztlich an einen Anbieter gebunden, obwohl sie ihre Musik oder ihre Daten irgendwann auch gern woanders unterbringen würden.
Datenportabilität, einfache und faire Vertragsbedingungen sowie eine Zertifizierung für vertrauenswürdige Anbieter können das Vertrauen der Nutzer in die Angebote erhöhen.
Wir unterschätzen auch den Einfluss des Staats. Bis 2014 dürfte er Schätzungen zufolge Cloud-Dienste im Wert von rund 11 Mrd. Euro einkaufen. Diese staatlichen Ausgaben können Europas Markt für Cloud-Dienstleistungen prägen und ihn für alle billiger und benutzerfreundlicher machen. Daher haben wir eine Reform der EU-Datenschutzgesetzgebung vorgeschlagen, die Rechtssicherheit und harmonisierte Regeln bringen soll, um Investitionen in das Cloud-Computing zu fördern. Die Unternehmen dürften dadurch pro Jahr rund 2,3 Mrd. Euro sparen.
Außerdem gründen wir eine europäische Cloud-Partnerschaft, mit der wir dafür sorgen, dass staatliche Stellen im gesamten Gebiet der Europäischen Union voneinander lernen und gemeinsame Ansätze beim Einkauf von Cloud-Leistungen verfolgen. Cloud-Computing revolutioniert Europas Wirtschaft. Die Schaffung eines größeren, vertrauenswürdigeren und effizienteren Cloud-Markts in Europa könnte über Erfolg oder Misserfolg von Hunderttausenden kleinen Unternehmen entscheiden. Sie kann darüber entscheiden, ob eine staatliche Dienstleistung in größerem Rahmen bereitgestellt oder gestrichen wird.
Wir fordern die IT-Branche, die Regierungen und die Nutzer auf, gemeinsam mit uns daran zu arbeiten, das Denken in nationalen Kategorien hinter uns zu lassen. Wir müssen Vertrauen aufbauen, um den wirtschaftlichen Schub möglich zu machen, den Europa braucht.
Der einzige wirkliche Grund, Daten auf einen Server im Internet zu setzen, ist für die meisten Firmen wahrscheinlich einen Backup außerhalb der eigenen Gebäude unterzubringen. Wird dieser vor der Übertragung intern mit 256 Bit oder mehr verschlüsselt, ist es eine sichere Sache. Unerlaubte Auswertungen dieser Daten ist dann nicht mehr möglich und im Katastrophenfall ist der Betrieb wieder rasch auf den Beinen.. Bei einem Preis von unter einem €/Gb kann mit wenigen Ausnahmen alle Daten auf den betriebseigenen Datenspeichern untergebracht werden und für einen authorisierten Personenkreis auch extern zugägnglich gemacht werden. Die Sicherheitsansprüche werden dann von Firmen selbst festgelegt, und nicht von irgendwelchen unbekannten IT-Kräften, über die der Datenbesitzer keinerlei Kontrolle hat. Warum also die Daten auf die Cloud setzen. Der Konsument hat wahrscheinlich am ehesten ein Interesse überall Zugang zu seinen Bildern, Musik und Filmen zu haben, aber wieviel Geld lässt sich denn damit verdienen? Nicht viel, denn kostenlose Angebote gibt es jetzt schon zu Hauf.