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Merken   Drucken   25.01.2012, 17:43 Schriftgröße: AAA

Digitale Lawine: E-Mail-Chaos im Bundestag

So schnell kann es gehen: Eine Mitarbeiterin verschickt eine E-Mail versehentlich an alle, einige antworten - ebenfalls an alle - und schon legt die Flut von digitalen Briefen die Bundestagsrechner und iPads lahm. Die meisten Abgeordneten nehmen es mit Humor.
© Bild: 2012 Sebastian Koch / Twitter
So schnell kann es gehen: Eine Mitarbeiterin verschickt eine E-Mail versehentlich an alle, einige antworten - ebenfalls an alle - und schon legt die Flut von digitalen Briefen die Bundestagsrechner und iPads lahm. Die meisten Abgeordneten nehmen es mit Humor.
Volle Mailboxen, wütende Abgeordnete und eine verzweifelte Bundestagsverwaltung: Am Mittwoch hat eine einzige E-Mail im Parlamentsbetrieb stundenlang für Wirbel gesorgt. Am Morgen war vom Bundestag eine Info-Mail an alle Büros gegangen, dass die neue Ausgabe des "Kürschner"-Handbuchs - ein Nachschlagwerk für Abgeordnete - vorliegt, berichteten verschiedene Parlamentarier.
Eine Mitarbeiterin der Grünen-Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl namens Babette bat dann eine Kollegin, ihr ein Exemplar mitzubringen. Jedoch verschickt sie die Mail in Kopie ("Cc") aus Versehen an alle Adressaten im Bundestagsverzeichnis. Betroffen sind dadurch sechs Rechner pro Bundestagsabgeordneten, also 4.032 Stück, plus die Mitarbeiter der Fraktionen, plus die Rechner der Mitarbeiter der Verwaltung.
Hunderte fühlen sich angesprochen und antworten - wieder im Riesen-Verteiler. Der Schneeball-Effekt ist nicht mehr aufzuhalten, der Bundestag elektronisch außer Rand und Band.
Immer mehr Nonsens wird versendet ("Ich grüße meine Mutti"), andere antworten mit Wetterberichten: "In Hannover-Linden sind drei Grad, es ist trocken und leicht bewölkt." Die Absenderin der Ursprungsmail wird als Mitarbeiterin des Monats vorgeschlagen, alte Bekannte finden wieder zueinander, Fotos vom Mittagessen werden ausgetauscht.
Nicht alle Reaktionen sind positiv
Es gibt aber auch wütende Reaktionen: Neben müden Bitten, einzelne Adressen aus dem Verteiler zu nehmen, finden sich auch Ausrufe wie: "Ja seid Ihr denn alle ein bisschen bluna!" Das Büro von Frank Steffel (CDU) kommt auf die Idee, die E-Mail-Schlacht für eine Verlosung zu nutzen. Zwei Karten für ein Handballspiel der Berliner Füchse werden angeboten, berichtet "bild.de". Steffel ist Präsident des Bundesliga-Clubs.
Auf Facebook wird eine erste Fangruppe eingerichtet - Titel: "Babette war's". Später verschwindet der Eintrag wieder. Auch bei Twitter wird die Mailpanne, die auf den Parlamentsfluren als "Kürschnergate" kursiert, thematisiert und ist seit Mittag Trending Topic.
Im Laufe des Tages wird es der Bundestagsverwaltung zu bunt. Sie warnt vor einem Missbrauch des E-Mail-Verteilers: "Aufgrund des derzeitigen Missbrauchs des Emailsystems können Zustellverzögerungen von bis zu 30 Minuten auftreten."
Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, sieht es indes locker: "Ein falscher Klick und die Mailaccounts der Abgeordnetenbüros entwickeln sich zum sozialen Netzwerk", twitterte er.
Babette Schulz, die die Datenlawine auslöste, sagte leicht geknickt: "Es ist halt passiert". Nach dem ersten Schrecken habe sie noch auf E-Mails dazu geantwortet. "Als dann die Mail-Lawine ihre skurrile Eigendynamik entwickelte, wurde mir das etwas unheimlich - bis die überwiegend netten humorvollen Mails auch mich sehr zum Lachen brachten."
  • FTD.de, 25.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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