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  FTD-Serie: Tod eines Visionärs

Steve Jobs erlag seinem Krebsleiden. Weltweit wird er als Genie, großer Erfinder, innovativer Geist und außergewöhnlicher Mensch gewürdigt. FTD.de berichtet in einer Serie über das Leben und Werk des Unternehmers - und wie es mit Apple weitergehen könnte.

Merken   Drucken   06.10.2011, 09:28 Schriftgröße: AAA

Nachruf auf Steve Jobs: "Niemand will sterben"

"Der Tod ist wohl die mit Abstand beste Erfindung des Lebens", sagte Steve Jobs einst - ausgerechnet in einer Rede vor jungen Leuten. Seit Jahren hatte der Apple-Mitbegründer sein eigenes Ende vor Augen. Ein Nachruf auf Steve Jobs, der in der Nacht gestorben ist.
von Helene Laube, San Francisco

Steve Jobs scheute das Thema Tod nicht. "Niemand will sterben", sagte der Apple-Chef an einem strahlend schönen Junitag vor sechs Jahren ausgerechnet während seiner Rede bei der Abschlussfeier der Stanford University.

Der Tod kommt in den an US-Universitäten üblichen Abschlussreden Prominenter selten vor. Im Jahr davor war bei Jobs Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden, eine der aggressivsten Krebsformen. Dennoch war er erfolgreich operiert worden. "Der Tod ist wohl die mit Abstand beste Erfindung des Lebens", ermutigte Jobs damals die Stanford-Absolventen im Silicon Valley. "Er ist der Katalysator des Wandels. Er räumt das Alte weg, damit Platz für Neues geschaffen wird."

Steve Jobs ist gegangen. Kaum einer wünschte dem von ihm mit gegründeten Technologiekonzern - oder der Branche - einen derartigen Katalysator des Wandels. Nicht die Mitarbeiter, nicht die Aktionäre, nicht das Silicon Valley. Wahrscheinlich nicht einmal Apples Wettbewerber. Die meisten haben von Steve Jobs profitiert, haben sich durch oder für ihn nach der Decke gestreckt. Am Mittwoch ist der Kalifornier im Silicon Valley im Kreis seiner Familie gestorben. Er war 56 Jahre alt.

Steve Jobs Stationen im Leben des Apple-Gründers

Mit seinem Tod verliert die Technologiebranche ihren innovativsten Vertreter und die Geschäftswelt den wohl einzigen Manager mit dem Status eines Rock-Idols. "Steve Jobs ist der inspirierendste Führer, den ich jemals getroffen habe", antwortete Microsoft -Mitbegründer Bill Gates, jahrzehntelanger Partner und Rivale von Jobs und Apple, bereits 1998 auf die Frage nach dem Vorstandschef, den er am meisten bewunderte.

Ohne Uni-Abschluss

Jobs war einer, der mit seinen Ideen die Welt veränderte. Einer, der bewegte. Nicht nur die Menschen, die er millionenfach teils zu fast religiös-treuen Apple-Kunden machte. Der Milliardär ohne College-Abschluss revolutionierte Produktkategorien und gesamte Branchen.

Er startete 1977 mit dem Apple-II-Rechner die PC-Revolution. 1984 gab er der Computerbranche mit dem Macintosh und der grafischen Benutzeroberfläche die Marschrichtung für die kommenden Jahrzehnte vor. "Steve hat eine phänomenale Intuition, wie man Branchen umwälzt", sagte Paul Saffo, prominenter Zukunftsforscher aus dem Silicon Valley.

Steve Jobs auf einer Computermesse im Jahr 1977   Steve Jobs auf einer Computermesse im Jahr 1977

Im vergangenen Jahrzehnt nahm sich der Apple -Lenker mit dem feinen Gespür für Zukunftsmärkte gleich mehrere Branchen vor: Ab 2000 gab er mit dem iPod-Musikabspielgerät und dem Online-Musikgeschäft iTunes in der Musikbranche den Ton an.

Ab 2007 zeigte er der Mobilfunkbranche mit dem von allen kopierten iPhone und dem App-Store, was Innovation bedeutet. Und mit dem Anfang 2010 eingeführten iPad erweckte Jobs den Tablet-Markt, den Microsoft und PC-Hersteller wie Hewlett-Packard (HP) bis dahin zehn Jahre lang erfolglos beackert hatten, zum Leben. "Es ist längst zum Muster geworden", schrieb der renommierte "New York Times"-Technikkolumnist David Pogue im Februar. "Phase 1: Apple präsentiert ein neues Gadget. Die Blogger und die Branche sagen uns, dass es floppt. Phase 2: Es kommt in den Handel. Die Nutzer rasten total aus. Phase 3: Alle anderen Anbieter und ihre Oma machen sich an einen Klon."

Jobs hat für immer die Art und Weise geprägt, wie Menschen in der ganzen Welt mit Computern arbeiten, Musik hören, Filme schauen und mit Handys umgehen. Er, den selbst Manager-Ikone Jack Welch als den erfolgreichsten aller Vorstandschef bezeichnet, war ein "globaler kultureller Guru" ("Fortune"). Einer, der wusste, was die Leute wollen - bevor sie es selbst wissen. "Steve Jobs ist einer der Väter des PCs, eine Legende und eine Ikone des Silicon Valley", sagt Tim Bajarin, Analyst bei Creative Strategies.

Teil 2: Wie alles begann

  • FTD.de, 06.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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