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Merken   Drucken   04.01.2011, 12:23 Schriftgröße: AAA

Neuer Speicher, neue Festplatten: Quantensprung beim PC

Raus mit der alten Kiste - 2011 verspricht der Kauf eines Rechners eine enorme Evolution. Immer mehr Computer bekommen Flashspeicher-Festplatten, USB wird immer schneller - und beim Arbeitsspeicher naht der DDR4-Standard.
2010 hatten Solid State Drives (SSDs) in Laptops einen Marktanteil von einem Prozent, bis 2014 sollen es zehn Prozent sein. Statt einer rotierenden Scheibe und eines Lesekopfs enthalten sie Flashspeicher, wie sie auch in USB-Sticks zum Einsatz kommen. Das macht sie unempfindlicher gegen Stöße und steigert die Geschwindigkeit enorm. Der PC kann vieles schneller: hochfahren, Anwendungen starten, Dateien lesen. Doch mit rund 1,80 Euro pro Gigabyte (GB) Speicherplatz zahlt man etwa 20-mal so viel wie bei normalen Festplatten. Deshalb haben die verbauten Platten meist zwischen 80 und 128 GB. Der Mitbegründer der Flash-Technologie und scheidende Sandisk-Chef Eli Harari geht davon aus, dass SSDs schon in drei Jahren auf dem Massenmarkt mit mechanischen Festplatten konkurrieren können. Die steigende Nachfrage nach den Speicherchips, die auch in Smartphones stecken, sorgt dafür, dass Hersteller wie Toshiba, Samsung und Intel die Produktion hochfahren. Wer eine SSD-Festplatte will, wird trotzdem auf absehbare Zeit draufzahlen müssen.
Zwei Standards zur Datenübertragung gibt es inzwischen in der nächsten Generation: die drahtlose Bluetooth-Technik und den USB-Anschluss. Beide locken vor allem mit höheren Geschwindigkeiten. Für die PC-Hersteller sei ihr Einbau kaum mit Kostenaufwand verbunden, sagt ein Sprecher von Dell: "Der Preisunterschied ist relativ gering. Wenn die Nachfolgetechnologie nicht teuer ist, dauert es auch nicht lange, bis sie sich am Markt durchsetzt." Neben den großen PC-Herstellern entwickeln auch Intel, AMD und Microsoft die Technologien in Organisationen weiter. Sowohl bei Schnittstellen für Bluetooth 3.0 als auch USB 3.0 können Geräte der Vorläufergeneration angeschlossen werden. Damit Daten schneller von USB-Stick oder Kamera auf den Rechner übertragen werden, müssen aber beide Seiten die neue Version unterstützen. Gerade bei USB 3.0 hake es noch, schreiben Analysten des Marktforschers IDC: Technische Hürden, Verwendungsfragen und Probleme mit dem Stromverbrauch verzögerten die Einführung. Erst 2012 soll der große Durchbruch kommen.
Im Dezember haben die Prozessorhersteller Intel und AMD gemeinsam mit den Computerbauern Lenovo und Dell das Ende der analogen VGA-Schnittstelle besiegelt. Als neue Schnittstellen zwischen Rechner und Monitor, Projektor oder Fernseher sollen bis 2015 ausschließlich HDMI und Displayport dienen. Die beiden digitalen Anschlüsse bieten eine höhere Auflösung, bessere Farbqualität und einen geringeren Stromverbrauch.
Die Frage, welche Märkte HDMI und Displayport jeweils besetzen, ist allerdings noch nicht geklärt. Einer der großen Unterschiede liegt in der Rechtevergabe: Das HDMI-Konsortium, zu dem unter anderem Sony, Philips und Panasonic gehören, kassiert Lizenzgebühren von jedem, der die Schnittstelle einbaut. Displayport dagegen ist kostenlos. Der Grund, warum die beiden koexistierten, ätzt PC-Bauer Lenovo im Firmenblog, sei "mehr die schiere Gier als sonst etwas". Er gehört ebenso wie Dell und HP zum Industriekonsortium Vesa, das hinter Displayport steht. Marktforscher IDC geht davon aus, dass sich letztendlich jeder Standard in dem Bereich durchsetzen wird, für den er entwickelt wurde: HDMI bei den Endkunden, Displayport vor allem bei professionellen Anwendern.
Die Vision vom vernetzten Heim in die Wirklichkeit umzusetzen ist Ziel der DLNA (Digital Living Network Alliance). Sie vergibt Zertifikate für Geräte, die im heimischen Netzwerk problemlos miteinander kommunizieren können, weil sie bestimmte Standards einhalten. So kann man beispielsweise Bilder und Videos von der Kamera oder dem PC auf den Fernseher schicken. Voraussetzung ist, dass alle Geräte ans Netzwerk angeschlossen sind.
Zwar sind in der DLNA alle großen Elektronikkonzerne vertreten.Trotzdem bemüht sich jeder Hersteller, dass die eigenen Produkte untereinander effektiver kommunizieren als mit Geräten anderer Marken - zum Beispiel, indem er Software mit Zusatzfunktionen anbietet. 2014 sollen eine Milliarde DLNA-zertifizierte Geräte über die Ladentheke gehen, mehr als doppelt so viele wie 2009, schätzt der Marktforscher Instat. Und das "trotz der geringen Kundenbekanntheit": Nur sechs Prozent der von Instat Befragten hatten von DLNA gehört. Immerhin: Windows 7 unterstützt den Standard. Das dürfte die Verbreitung einfacher machen.
Der Durchschnittsdeutsche, da sind sich die PC-Hersteller einig, ist leistungsfixiert. Nur schwer lässt er sich Interesse an schönem Design anerziehen. Wichtiger ist beim Notebook ein potentes Innenleben. Es zählen Prozessor, Grafikkarte, Festplatte, Arbeitsspeicher.
Aktuellster Standard für Letzteren ist DDR3. Dabei bleibt es auch erst einmal - der Nachfolgestandard DDR4 wird vermutlich erst 2015 in nennenswerten Mengen eingebaut werden. Dafür wird Arbeitsspeicher im ersten Halbjahr 2011 aller Voraussicht nach deutlich billiger. Während der PC-Markt zu Beginn des letzten Jahres brummte und die Nachfrage hoch war, sehen sich die Hersteller von Speicherchips jetzt mit Überkapazitäten konfrontiert. Besonders Samsung hat viel Geld in einen Ausbau der Produktion gesteckt, um den Marktanteil zu steigern.
In den meisten Notebooks stecken übrigens vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Auf diesem Wert besteht der Deutsche - selbst dann, wenn das Betriebssystem bislang nur einen Teil davon nutzen kann, wie es bei einer Version von Windows Vista der Fall war.
  • FTD.de, 04.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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