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Merken   Drucken   15.11.2012, 12:38 Schriftgröße: AAA

Softwarekonzern: SAP probiert es auf die spielerische Tour

Der Konzern will seine Software nutzerfreundlicher machen - und nutzt dafür Comiczeichnungen und Rollenspiele. Das soll am Ende auch die Marge verbessern.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Uli Deck
Der Konzern will seine Software nutzerfreundlicher machen - und nutzt dafür Comiczeichnungen und Rollenspiele. Das soll am Ende auch die Marge verbessern.
von Annika Graf

So stellt Hasso Plattner sich das vor: "Google  träumt vom Unmöglichen und macht es dann trotzdem", schwärmt der SAP -Gründer. Der Internetkonzern ist nicht zum ersten Mal Plattners Vorbild. SAP solle eine "happy company" werden - wie Google, kündigte er 2010 an. Jetzt sind es die kreativen Denkmethoden der Amerikaner, die im badischen Walldorf Schule machen sollen.

Dort werden derzeit Büros umgeräumt, weite Räume geschaffen und Sofas aufgestellt. "Design Thinking" heißt das Konzept, dass Plattner SAP verschrieben hat. Ursprünglich von den Gründern der Designagentur IDEO, Terry Winograd, Larry Leifer und David Kelley, konzipiert, ist der Ansatz eine Mischung aus freier Beobachtung, Brainstorming sowie einer möglichst kreativen und konstruktiven Problemanalyse. Große US-Konzerne wie General Electric  oder Procter & Gamble  wenden die Methode an. Offene Fragen, Rollenspiele und Comic-Zeichnungen sollen spezifische Probleme eines Kunden darstellen und lösen.

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Derzeit steckt SAP in einer wichtigen Phase. Nachdem der Konzern in den vergangenen Jahren neue Produkte wie seine Hochleistungsdatenbank Hana, Software für Tablets und Smartphones oder Cloud-Anwendungen entwickelt und auf den Markt geworfen hat, müssen die Kunden sie jetzt auch kaufen. Auf der diese Woche in Madrid stattfindenden Kundenmesse Sapphire überschüttet der Softwarekonzern seine Abnehmer wieder mit neuen Ideen.

Der Nutzen erschließt sich den Firmen nicht immer. Auf der Tagung der deutschen Vereinigung der SAP-Nutzer, DSAG, murrten die Kunden mehr über die neuen Ideen des Softwarekonzerns, als sich an den Lösungen zu freuen. "Offensichtlich bewegen wir uns heute in einer anderen Geschwindigkeit", räumte SAP-Co-CEO Jim Hagemann Snabe am Mittwoch in Madrid im Gespräch mit der FTD ein. "Aber wir haben ein großes Interesse daran, dass unseren Kunden die Einführung von Innovationen möglichst leicht fällt und sie damit sehr schnell Mehrwert schaffen können."

Deshalb schickt Snabe jetzt Entwickler und SAP-Berater in gemischten Teams mit der neuen Methode zu den Kunden, um Software für ihre Probleme zu entwickeln. Ein Prototyp muss in 30 Minuten erstellt werden. Er darf nicht perfekt sein, damit möglichst viele Wünsche des Kunden aufgenommen werden. "Wir wollen den Gebrauch unserer Software so einfach wie möglich machen", sagte Snabe.

Aber Kindergartenspiele, statt handfester Lösungsansätze? Das läuft nicht immer ohne Widerstände ab. Als Ariane Skutela, einer der Design-Thinking-Coaches, den SAP Entwicklern vorschreibt, sie sollen mit verbundenen Augen Schaumstofffiguren sortieren, erntet sie genervte Blicke. Sie will das Gefühl von Kunden vermitteln, die in ihrem Unternehmen oft tagelang und vergeblich nach Daten forschen, mit denen sie SAPs Buchhaltungsprogramme füttern müssen.

2007 testete man bei SAP den Ansatz zum ersten Mal. Seit anderthalb Jahren ist Gordon Mühl ernsthaft damit befasst, die Methode in dem größten europäischen Softwarekonzern einzuführen. Bislang sind es 40 Projekte, zehn Mal so viel sollen es werden. "2013 sollen alle Projekte mit dem Ansatz laufen, die dafür geeignet sind", sagt er. Für Standardprobleme mit SAPs Buchhaltungsprogrammen ist die Methode zu schade. "Um die fünfte Steueränderungen einzupflegen, braucht es kein Design Thinking", sagt Mühl.

Der Nutzen: "Wir sind dadurch schneller, weil wir erst mal schauen, was es überhaupt braucht", erklärt Mühl. Noch schneller, noch sparsamer. Das passt in das Optimierungsprogramm der SAP-Chefs. Bis 2015 will Snabe die operative Marge auf 35 Prozent hochschrauben, auch wenn die Mitarbeiter über die ständigen Optimierungsbemühungen stöhnen.

Design-Experten sehen dem Ansatz aber kritisch. Cornelia Horsch, Direktorin des Internationalen Design-Zentrums Berlin, glaubt, dass Firmen die Methode teils falsch verstehen: "Das ursprüngliche Konzept ist nicht so standardisiert, wie das Design Thinking, das in die Firmen getragen wird", sagt sie. "Gutes Design entsteht in einer Vielzahl an Herangehensweisen. Gutes Innovationsmanagement lässt sich ebenfalls nicht auf eine einzige Methode reduzieren." Jim Hagemann Snabe räumt ein, dass aus kontinuierliche Verbesserungen wohl nicht der nächste große Wurf entsteht. SAP brauche beides sagt er - vor allem dürfe es keine Denkverbote geben: "Wir müssen mit unseren Ideen Grenzen überwinden."

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  • Aus der FTD vom 15.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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