Der weltweit größte Anbieter von Navigationsgeräten Garmin will den viel kleineren Hamburger Wettbewerber Navigon übernehmen. Das gaben beide Unternehmen bekannt. von Andrea Rungg, Hamburg
Damit bestätigten beide einen Bericht der FTD von vor zwei Wochen. Über den Kaufpreis schwiegen Garmin und Navigon. Nach FTD-Informationen handelt es sich um eine mittlere zweistellige Millionen-Euro-Summe. Navigon ist zu 90 Prozent in den Händen der Investmentgesellschaft General Atlantic Partners. Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser führt als Partner des Investors den Aufsichtsrat.
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Navigon war im Zuge des weltweiten Booms von Smartphones in Schwierigkeiten geraten und hatte bis Ende 2009 bei einem Umsatz von 144 Mio. Euro Schulden in Höhe von 76,5 Mio. Euro angehäuft. Für das Jahr 2010 liegen bislang noch keine Zahlen vor, allerdings dürfte sich die Krise verschärft haben. Smartphones sind weiter auf dem Vormarsch und bieten Navigationssoftware zu deutlich günstigeren Preisen an.
Navigon war bis 2007 als reiner Softwareanbieter eigentlich relativ gut aufgestellt. Doch das Unternehmen hatte einen strategischen Fehler begangen. Navigon stieg in die Vermarktung eigener Navigeräte ein - ausgerechnet in dem Jahr, als Apple mit dem iPhone die Smartphone-Ära einläutete.
Seither kämpfte der einstige Börsenaspirant ums Überleben. Garmin und dessen niederländischer Rivale Tomtom lieferten sich angesichts sinkender Nachfragen nach Navigationsgeräten Preiskämpfe, bei denen Navigon als viel kleinerer Anbieter kaum mithalten konnte. Ein Verkauf war für General Atlantic Partners quasi die letzte Möglichkeit. Eine mit den Vorgängen vertraute Person sagte zuletzt: "Das wird für General Atlantic sicherlich keine Renditeperle mehr." Der Investor war 2005 für eine hohe zweistellige Millionen-Euro-Summe zunächst mit einem 25-Prozent-Anteil bei Navigon eingestiegen. 2008 hatte General Atlantic Geld nachschießen müssen und die Beteiligung von 29,5 auf 90 Prozent erhöht.
Garmin erhofft sich durch die Übernahme von Navigon im Kampf gegen Apple, Nokia und Google eine bessere Ausgangsposition. Letztere beiden Unternehmen werfen ihre Kartensoftware zum Teil kostenlos auf den Markt. Das führte unter anderem dazu, dass Garmins Umsatz zuletzt von 2,95 Mrd. Dollar auf 2,69 Mrd. Dollar zurückging. Der Gewinn brach von 704 Mio. Dollar auf 585 Mio. Dollar ein. "Mit Navigon kommt auch der Anbieter bekannter Navigationsanwendungen für iPhones und Android-Geräte zu uns - dies wird den Umsatz des dann vereinten Unternehmens zusätzlich erhöhen", sagte Cliff Pemble, President und geschäftsführender Manager von Garmin.
Nach Angaben Garmins verfügt Navigon zusätzlich zum Automotive-Geschäftsfeld und den Smartphone-Anwendungen über einen Marktanteil von rund sieben Prozent bei tragbaren Navigationsgeräten in Europa. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 400 Mitarbeiter. Der Großteil davon ist hierzulande beschäftigt. Die Übernahme steht noch unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Kartellbehörden.
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