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Merken   Drucken   04.11.2011, 07:55 Schriftgröße: AAA

Gang aufs Parkett: Groupon kann mit 700 Mio. Dollar rechnen

Die ersten Geschäftszahlen des Schnäppchen-Portals schockierten potenzielle Anleger, ein Schatten schien über dem Börsengang von Groupon zu liegen. Doch der Ausgabepreis von 20 Dollar pro Aktie liegt deutlich über den Erwartungen.
Der Börsengang des Schnäppchen-Portals Groupon wird nach vielen Pannen und Zweifeln wohl besser laufen als gedacht. Dank hoher Anlegernachfrage setzte Groupon den Aktienpreis am Ende bei 20 Dollar an. Da die Nachfrage über dem Angebot liegt, kann Groupon damit rechnen, beim ersten Handelstag am Freitag alle ausgegebenen Papiere an den Mann zu bringen. Groupon dürfte somit rund 700 Mio. Dollar einsammeln. Das geht aus Mitteilungen der Börsenaufsicht SEC hervor. Der Börsenwert wird mit 12,6 Mrd. Dollar angesetzt.
Groupon hatte zuvor beim Aktienpreis mit einer Spanne zwischen 16 und 18 Dollar kalkuliert, was einer Bewertung von bis zu 11,4 Mrd. Dollar entsprochen hätte. Der Rabattcoupon-Dienst galt noch vor einem halben Jahr als zukünftiger Börsenstar mit einer Bewertung von 20 oder sogar 30 Mrd. Dollar. Doch die Abkühlung der Märkte, Fehler des Unternehmens und Zweifel am Geschäftsmodell sorgten dafür, dass sich der Börsengang immer weiter verzögerte und jetzt deutlich kleiner als erwartet ausfällt. Groupon platziert am Markt nur etwa fünf Prozent seiner Aktien, was dem Preis am Ende half.
In der Groupon-Zentrale in Chicago werden die Schnäppchen des ...   In der Groupon-Zentrale in Chicago werden die Schnäppchen des tages eingepflegt. Weltweit beschäftigt das Startup etwa 7000 Mitarbeiter
Bei Groupon können Unternehmen Rabattcoupons für ihr Geschäft anbieten. Der Deal kommt zustande, wenn eine bestimmte Anzahl von Interessenten zuschlägt. Groupon behält eine Kommission, typischerweise rund die Hälfte des Gutscheinwerts. Das Unternehmen hat nach jüngsten Angaben insgesamt rund 142,9 Millionen registrierte Kunden - von denen mindestens 29,5 Millionen schon mindestens einmal bei einer Groupon-Rabattaktion mitgemacht haben.
Als Groupon bei der Vorbereitung seines Börsengangs erstmals die Geschäftszahlen offenlegte, waren viele Investoren über die konstant hohen Verluste schockiert, die mit steigenden Umsätzen auch noch immer größer wurden. Groupon unterhält ein Heer von Außenmitarbeitern, die Firmen für Rabattaktionen gewinnen. Und das verschlang bisher viel Geld.
Aktuelle Zahlen zeigten, dass Groupon die Verluste massiv eingedampft hat - aber auch, dass das Geschäft auch deutlich langsamer wächst als zuvor. So rückte der Umsatz im dritten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal nur noch um knapp zehn Prozent auf 430 Mio. Dollar vor. Früher hatten sich die Erlöse oft von Quartal zu Quartal verdoppelt. Nachdem Groupon bei den oft kritisierten hohen Ausgaben für die Kundengewinnung die Bremse anzogen hatte, fiel im abgelaufenen Quartal noch ein Verlust von 10,6 Mio. Dollar an - nach einem Minus von 101,2 Mio. Dollar in den drei Monaten zuvor.
Einem Bericht des US-Blogs "Business Insider" zufolge legten deutsche Investoren dem zuvor chaotischen Groupon-Vertrieb Zügel an. Die Internetunternehmer Marc, Oliver und Alexander Samwer leiteten faktisch den Vertrieb über den britischen Manager Chris Muhr "mit eiserner Faust", hieß es dort unter Berufung auf Insider.
Die Vorbereitung des Börsengangs wurde von vielen Pannen begleitet. Zuletzt musste Groupon wegen Bedenken der Börsenkontrolleure die Umsatzangaben praktisch halbieren - jetzt kommt nur noch die Kommission in die Bücher, und nicht der gesamte Coupon-Wert. Schon zuvor tilgte Groupon auf Druck der Börsenaufsicht SEC eine Kennziffer, bei der das Ergebnis ohne die hohen Marketingkosten berechnet wurde und dadurch deutlich freundlicher aussah. Hinzu kam weiterer Ärger mit der SEC, weil unter anderem Gründer Andrew Mason das Groupon-Geschäftsmodell in der sogenannten "stillen Periode" vor dem Börsengang verteidigte.
  • dpa, 04.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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