Iberoschinken Barcelona um die vorvorletzte Jahrhundertwende: Don Rafel Massó i Pujade ist zwar einer der einflussreichsten Männer Kataloniens. Aber leicht hat er es nicht, der arme Don: Seine verbiesterte Frau macht ihm das Leben schwer, er träumt von vergangenen und potenziellen Liebschaften - am liebsten während der Sternenbeobachtung, seiner stillen Leidenschaft.
"Senyoria" von Jaume Cabré
Im Job widersetzt er sich gewieft allen Angriffen missgünstiger Konkurrenten und hält sich erfolgreich auf seinem Posten als Präsident des Königlichen Gerichts. Don Rafel wähnt sich seines Amts recht sicher. Der Mord an einer französischen Sängerin wird für den Juristen jedoch gefährlich: Denn beim tatverdächtigen jungen Dichter Andreu Perramon findet die Polizei einen Brief, der Don Rafel in ernste Schwierigkeiten bringen könnte. Daher lässt er den Angeklagten zügig verurteilen. Der Polizeichef unterstützt ihn dabei - und arbeitet zugleich gegen ihn.
Egozentrisch, eiskalt, machtversessen - und erbärmlich: Jaume Cabrés Roman über einen Richter auf hohem Ross, der in den Abgrund blickt, schenkt dem Leser die Erkenntnis: andere Länder, gleicher Sittenverfall. Die dialogreiche Erzählweise ist dabei so lebendig, dass man Cabré die zig Preise, die er für "Senyoria" erhalten hat, am liebsten noch einmal überreichen möchte. Ein Tipp aus der Rubrik "Kunden, die dieses Buch kauften, kauften auch ...": Jaume Cabrés Roman "Die Stimmen des Flusses" ist ebenfalls auf Deutsch erschienen.