Münster gilt als führend in der Erforschung der Genetik von affektiven Erkrankungen und ist in einem Sonderforschungsbereich "Furcht, Angst, Angsterkrankungen" mit den Unis Würzburg und Hamburg vernetzt. Im Fokus steht nun das Gen für den Neuropeptid-S-Rezeptor.
"Neuropeptide sind kleine Nerven-Botenstoffe, die indirekt das Zusammenspiel von mehreren Nerven-Botenstoffsystemen wie Serotonin und Adrenalin beeinflussen", sagte Domschke. Schalte man diesen Rezeptor in einer Maus aus, werde das Tier ängstlicher. Das funktioniere auch umgekehrt. "Wenn man den Mäusen Neuropeptid S verabreicht, haben sie viel weniger Angst. Das heißt, ich muss ein funktionierendes Neuropeptid-S-System haben, um nicht krankhaft Angst zu haben."
Genetische Erkenntnisse können auch bei der Diagnose helfen. "Ich kann ja nicht eben eine Probe aus dem Hirn entnehmen", sagte Domschke. Genetische Varianten hätten einen Einfluss auf die Erkrankung, seien zeitlich stabil und im Blut zu messen. Die Medizin bekomme dank der Genetik mittelfristig neue Möglichkeiten, noch spezifischere Medikamente gegen Angstzustände oder auch Depressionen zu entwickeln und ihre Wirksamkeit schneller zu überprüfen. "Damit ersparen wir dem Patienten viel Leidenszeit."