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Merken   Drucken   07.08.2012, 11:05 Schriftgröße: AAA

Pharmaindustrie: Rückschlag für die Alzheimer-Forschung

Die Zahl der Alzheimer-Patienten wird sich bis 2050 verdoppeln. Nun schwinden die Hoffnungen, die Krankheit bald mit Medikamenten stoppen zu können. Zwei US-Pharmakonzerne stellen die Forschung an einem neuen Arzneimittel ein. Grund: mangelnde Wirksamkeit.

Eine der großen Hoffnungen in der Alzheimer-Forschung hat sich zerschlagen. Die US-Pharmakonzerne Pfizer und Johnson & Johnson geben ihre fortgeschrittenen Studien am Alzheimer-Medikament Bapineuzumab auf. Das Mittel war war eines von zwei Alzheimer-Präparaten, von denen sich die Pharmaindustrie am meisten versprochen hatte.

Das Therapiegebiet ist eine der großen Wachstumsgebiete der Branche. Bisher gibt es kein Mittel, das die Krankheit stoppt - die bestehenden können sie nur verzögern. Dennoch stieg der weltweite Umsatz damit nach Angaben des Datendienstleisters IMS Health  2010 um ein Achtel auf 6,3 Mrd. Euro. Ein Konzern, der es schafft, eine Arznei mit durchschlagender Wirkung zu entwickeln, könnte jährlich hohe Milliardenbeträge erlösen.

Allein in Deutschland leiden nach Angaben der Bundesregierung 1,3 Millionen Menschen an Demenz - davon gelten rund 700.000 als Patienten mit Alzheimer. Bis 2050 dürften es doppelt so viele sein, weil die Krankheit vor allem Alte trifft. Deren Anteil an der Bevölkerung steigt stetig.

Wie Alzheimer das Gehirn angreift   Wie Alzheimer das Gehirn angreift

Alzheimer-Präparate sind schwer zu entwickeln - erstens wegen der extrem komplexen Vorgänge im Gehirn, die es schwierig machen, den richtigen Angriffspunkt für einen Wirkstoff zu finden. Zweitens nehmen Forscher an, dass die Zerstörung im Gehirn beginnt, lange bevor die ersten Symptome auftreten.

Nun konzentrieren sich die Erwartungen auf ein zweites Mittel: Solanezumab von Eli Lilly . Es ist wie das Pfizer-Mittel Bapineuzumab in der dritten und letzten Testphase am kranken Patienten. Pfizer hatte im Januar bereits einen Rückschlag mit einem Alzheimer -Medikament melden müssen, als der Konzern die weit fortgeschrittenen Arbeiten an Dimebon einstellte.

Momentan sind vier Wirkstoffe zur Therapie zugelassen, die den Krankheitsverlauf hinauszögern - einer davon kommt vom deutschen Hersteller Merz: Memantin. Es soll Nervenzellen vor dem Schaden schützen, den eine überhöhte Konzentration des Botenstoffs Glutamat anrichtet. Das Mittel wird in Deutschland unter dem Namen Axura vertrieben und ist im Heimatmarkt das am meisten verschriebene Alzheimerpräparat. Weltweit vertreibt Merz die Pille in Partnerschaft mit dem dänischen Lundbeck , dem US-Konzern Forest und seit vorigem Jahr auch Daiichi-Sankyo aus Japan.

Die anderen drei Präparate sind sogenannte AChE-Hemmer. Sie gehen gegen das Enzym Acetylcholinesterase (AChE) vor, das den Botenstoff Acetylcholin im Gehirn abbaut. In den ersten Behandlungsmonaten sollen sie die geistigen Fähigkeiten geringfügig steigern, bevor sie allmählich abfallen und nach ein bis zwei Jahren wieder ihren Ausgangszustand erreichen. Die drei Mittel werden bei leichter bis mittelschwerer Demenz eingesetzt und kommen von Eisai und Pfizer, die das Mittel gemeinschaftlich vertreiben, Novartis  sowie Johnson & Johnson.

  • FTD.de, 07.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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