"Wir brauchen mehr Zeit", sagte der Franzose. Es habe in der Kommission eine längere Debatte darüber gegeben. "Es war vielleicht ein bisschen zu innovativ", räumte er ein. "Der wichtigste Teil meiner Vorschläge wurde angenommen." Das Benotungsverbot sollte Euro-Länder schützen, die Kredite von den Europartnern oder dem Internationalen Währungsfonds erhalten und durch die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit zusätzlich an den Finanzmärkten unter Druck geraten könnten. Derzeit wären das Griechenland, Irland oder Portugal.
Investoren, die durch fehlerhafte Ratings Geld verloren haben, sollen nach den neuen Plänen aber gegen die Agenturen vor Gericht ziehen können. Das sagte Barnier am Dienstag in Straßburg bei der Vorstellung von neuen Gesetzesvorschlägen. "Ratings haben einen direkten Einfluss auf die Märkte und die Wirtschaft und deshalb auch auf den Wohlstand europäischer Bürger", sagte der Franzose. "Ratingagenturen haben in der Vergangenheit schwere Fehler gemacht." Die Abhängigkeit des Finanzsektors von Ratingagenturen solle sich verringern. Für alle Agenturen sollen striktere Auflagen gelten, wenn sie ihre folgenreichen Bewertungen abgeben.
Die Aufsichtsbehörde ESMA solle Standards für eine einheitliche Ratingskala erarbeiten, damit die Urteile vergleichbar werden. "Gefälligkeitsratings" soll es nicht mehr geben: Bislang war es so, dass Ratingagenturen von den Unternehmen, die sie bewerten, ihr Geld bekommen - ein großer Interessenkonflikt. Die Unternehmen müssen auch ihre Preispolitik offenlegen. Künftig soll ein Auftraggeber eine Ratingagentur nur noch maximal drei Jahre in Folge beauftragen dürfen. Damit soll vor allem, die Vormachtstellung der drei großen Marktführer aus den USA gebrochen werden. Moody's, Standard & Poor's und Fitch Ratings müssen danach kleineren Konkurrenten Platz machen. Für Staaten gilt diese Rotationspflicht nicht.