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Merken   Drucken   18.01.2009, 20:16 Schriftgröße: AAA

Agenda: Die Angst um Steve Jobs

Dossier Nach dem Rückzug des Konzernchefs steht Apple vor bangen Zeiten. Kommt er wirklich zurück? Bei allem Talent im Konzern - ohne den Übervater ist der Absturz kaum zu vermeiden. von Helene Laube (San Francisco) und Arndt Ohler (Hamburg)
Vor gar nicht langer Zeit, da klang das noch etwas kerniger, wenn Steve Jobs sich mal zu den Gerüchten um seine Gesundheit äußerte. "Ich halte Sie für einen Eimer Schleim", blaffte er im vergangenen Sommer einem Kolumnisten entgegen, bevor er ihm sagte, dass er zwar erkrankt sei - aber nicht schwer. Jetzt, als am Freitag wieder die Frage aufkam, verkniff er sich jede Schimpferei. "Warum lasst ihr Jungs mich nicht in Ruhe?", sagte er einem Journalisten der Agentur Bloomberg. "Warum ist das so wichtig?"
Ja, ist sie so eine monatelange Aufregung wert? Seine Krankheit? Sein Verzicht auf öffentliche Auftritte? Und jetzt die neuste Ankündigung? Er habe erkennen müssen, schrieb er da seinen Mitarbeitern in der vergangenen Woche, dass seine gesundheitlichen Probleme "komplexer sind, als ich ursprünglich angenommen habe". Aus dem, was Apple anfangs einen Bazillus nannte, ist längst eine Hormonstörung geworden, die verhindert, dass Jobs' Körper Proteine verarbeitet. Nun zieht sich der Apple-Gründer bis Ende Juni aus dem Tagesgeschäft zurück. In strategische Entscheidungen werde er aber nach wie vor eingebunden.
Apple-Gründer Steve Jobs zieht sich vorerst aus dem Tagesgeschäft ...   Apple-Gründer Steve Jobs zieht sich vorerst aus dem Tagesgeschäft zurück
Es ist schon eine erstaunliche Frage, die Jobs da dem Bloomberg-Journalisten stellt. Natürlich ist es wichtig. Alles: seine Krankheit, sein Versteckspiel und sein vorläufiger Rückzug. Apple  ist Jobs, und Jobs ist Apple. Da kann der Konzern zehnmal die Verdienste anderer Mitarbeiter herausstellen, von Jonathan Ive, dem Designer, bis zu Timothy Cook, dem operativen Chef. "Steve ersetzen?", sagt Cook denn auch selbst. "Kommen Sie, nein. Er ist unersetzlich."
Zu sehr ist Jobs Genie, zu sehr Autokrat. Noch wenige Monate bevor das iPhone auf den Markt kam, hat er das Design für die Außenhülle des Handys abgelehnt. "Ich kam an einem Montagmorgen rein und sagte: ,Ich liebe das Ding einfach nicht. Ich kann mich einfach nicht dazu zwingen, mich in das Ding zu verlieben‘", erzählte er vor einigen Monaten. Es sei die Hölle gewesen, dem Team zu sagen, dass die Arbeit eines ganzen Jahres umsonst gewesen sei.
Die Hölle, ja, aber so ist er eben. Ein notorischer Mikromanager, ein Perfektionist mit kompromisslosem Führungsstil. Er kümmert sich um alles: Bestimmt die Schraubenzahl am Notebook oder die Krümmung der Bildschirmecken. Und gleichzeitig kümmert er sich um nichts. Die gängige Meinung? Die Marktforschung? Ist ihm egal. Er weiß selbst, was die Leute wollen - oder wollen werden.
Mit seiner Herrschsucht hat er Apple zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Branche gemacht. Und eine Einheit aus Marke und Chef geschaffen, wie sie selten ist bei einem Konzern. Das heißt nicht, dass Jobs keine guten Leute neben sich erträgt. Apple hat viele starke Manager und kreative Köpfe, Leistungsträger wie Timothy Cook oder Jonathan Ive.

Teil 2: "Jobs ist das Herz von Apple"

  • Aus der FTD vom 19.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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