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Merken   Drucken   09.01.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

E-Books: Die Konterrevolution der elektronischen Bücher

Kommentar Seit jeher versuchen Menschen, Informationen zu verknüpfen - einst mit dem alphabetischen Index in Büchern, heute mit Links im Internet. Doch nun bedrohen geschlossene Systeme wie Apps und E-Books unser Wissen. Ein Essay
von Steven Johnson

Steven Johnson ist Autor des 2010 erschienenen Buches "Where Good Ideas Come From" über die Geschichte der Innovation. Dieser Essay ist die überarbeitete Fassung einer Rede, die der Schriftsteller auf dem Web-2.0-Gipfel in San Francisco hielt.

Peter Schöffer und Johann Fust, zwei Weggefährten von Johannes Gutenberg, waren die ersten kommerziell erfolgreichen Drucker. Ihr Erfolg begründete sich zum Teil dadurch, dass sie die damals neueste Kommunikationstechnologie - das Buch - beständig Neuerungen unterzogen.

Eine dieser Innovationen findet sich auch in einem Werk des heiligen Augustinus, das Schöffer und Fust 1467 veröffentlichten: Es war das erste gedruckte Buch mit alphabetischem Index. Schöffer und Fust brachten nicht einfach nur neue Titel auf den Markt, sie veränderten auch die Art und Weise, wie die Menschen ein Buch lasen und nutzten.

Internet-Tablets Invasion der iPad-Konkurrenten

In der Frühphase der Werbung lockten einige Buchanzeigen mit dem Argument, dass das beworbene Buch einen "besser angeordneten Index" aufweise. Schöffer und Fust behaupteten, allein schon der Index und andere neue Möglichkeiten des Querverweisens seien den Kaufpreis wert, weil sie die Benutzung des Buches so sehr erleichterten.

Solch ein Slogan könnte direkt aus einer Werbung der heutigen Zeit stammen: "Unsere Bücher sind nicht nur lehrreich, sie sind auch anwenderfreundlich." Dass die moderne Marketingsprache so ähnlich klingt, ist kein Zufall, denn dank einer Reihe technischer Neuerungen - speziell dem Internet, dem Kindle und dem iPad - verändern sich die Werkzeuge und die Techniken des Lesens radikal.

Im digitalen Sektor war eine der aufregendsten Entwicklungen im vergangenen Jahr das Wettrüsten der elektronischen Lesegeräte: Amazons  Kindle wurde erstaunlich klein und günstig; der Nook von Barnes & Noble ging mit Googles  Betriebssystem Android an den Start; die iBooks- und Kindle-Applikationen für das iPad brachten Dutzende neuer Eigenschaften; und erst vor wenigen Wochen startete Google die Plattform E-Books, auf der man die Millionen Bücher durchstöbern und lesen kann, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren eingescannt hat.

Unter all diesen Neuerungen sticht das iPad von Apple  als wichtigster Durchbruch hervor. Das liegt nicht nur daran, dass sich wohl kein anderes neues Technologieprodukt schneller verkauft hat. Der Tablet-PC verbindet auch wie kein anderes Gerät das Lesen von Büchern und das Surfen im Internet miteinander. Ich weiß noch, wie ich mich vergangenes Frühjahr mit meinem frisch eingetroffenen iPad hinsetzte und dachte: Wir sind die vergangenen 15 Jahre mit dem falschen Gerät im Internet gesurft. Mit Mauszeiger und Mausklicks zu arbeiten erschien plötzlich unnatürlich, wenn man sich doch auch auf dem Sofa zurücklehnen und das Internet dabei in Händen halten konnte.

Teil 2: "Das Internet ist tot"

  • FTD.de, 09.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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