Der Springer-Chef zahlt nur 77 Euro pro Aktie - das sind knapp 27 Prozent weniger als die 104,50 Euro, die die Aktie an der Börse kostet. Döpfner bekommt damit praktisch einen Teil der Anteile geschenkt. "Das ist ein Zeichen ihrer Wertschätzung für Döpfner", sagte eine Verlagssprecherin. Auf die Preisdifferenz zum Kurswert, gut 18 Mio. Euro, zahle Döpfner Schenkungsteuer. Die Witwe von Gründer Axel Springer senkt den von ihr kontrollierten Anteil mit dem Geschäft auf 55 Prozent.
Friede Springer bindet den Vorstandschef über die Beteiligung eng an den Konzern. Döpfner, der den Kauf mit einem Kredit finanziert, hat als Miteigner künftig ein besonders großes Interesse am wirtschaftlichen Erfolg des Verlags. Er hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, er könne sich vorstellen, auch selbst als Unternehmer tätig zu werden.
Nach dem fehlgeschlagenen Einstieg ins Fernsehgeschäft hatte es Fragen nach der Zukunft des Konzernchefs gegeben. Döpfners Vorhaben, die TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1 zu kaufen, war Anfang des Jahres an Kartellhürden gescheitert. Dennoch war sein Vertrag bis 2011 verlängert worden. Zu seiner Haupteignerin pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis. "Das sieht fast nach einer Nachfolgeregelung aus", sagte ein Branchenkenner.
Ende 2003 war der Finanzinvestor Hellman & Friedman mit 19,4 Prozent bei Springer eingestiegen - und hatte damals betont, er wolle den Anteil drei bis sieben Jahre halten. "Wir haben keinen Hinweis, dass Hellman & Friedman aussteigt, aber wir müssen damit rechnen, dass das demnächst stattfindet", sagte die Konzernsprecherin.
Springer hatte sich dabei stets dafür ausgesprochen, dass der Investor mit einem Verkauf über die Börse den Streubesitz erhöht. Derzeit werden nur rund 10,8 Prozent der Springer-Anteile frei gehandelt. Mit einem größeren Streubesitz könnte sich der Konzern eine deutlich größere Aufmerksamkeit der internationalen Kapitalmärkte sichern. Der Aktienkurs wäre damit auch stärker als bisher eine valide Aussage über den Wert des Konzerns.
Bei einer positiven Entwicklung würden Springers eigene Aktien, knapp zehn Prozent, damit auch "zu einer echten Währung für Zukäufe", sagte ein Analyst. Schon der Versuch, Pro Sieben Sat 1 zu kaufen, hatte Springer für Investoren und Analysten interessant gemacht. "Die haben uns jetzt auf dem Schirm", hieß es im Konzern.
Döpfner hat seine Aktien über eine eigens gegründete Zwischengesellschaft gekauft, eine Haltefrist für die Papiere soll es nicht geben.
Friede Springer hat trotz des Rabatts ein gutes Geschäft gemacht: Sie hatte gut zehn Prozent der Aktien vor knapp vier Jahren von der Deutschen Bank gekauft - für 53,49 Euro je Stück. Mit jetzt noch fünf Prozent eigener Aktien sowie über eine Familiengesellschaft mit gut 50 Prozent kontrolliert sie weiter die Mehrheit des Konzerns. Dabei soll es nach dem Willen der Verlegerwitwe auf jeden Fall bleiben.
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