Uuh, es hat schon wieder einer seine Facebook -Aktien verkauft. Uah, es war ein Mann der ersten Stunde. Hey, das ist dann ein eindeutiges Misstrauensvotum, oder etwa nicht? Zack, das Urteil ist gefällt. Wenn es um Facebook geht - und das allen voran nach dem verpatzten Börsengang - dann wendet sich gerade fast jede Aktion, jedes Urteil darüber gegen das Unternehmen. Wenn Risikokapitalgeber Accel Partners Anteile losschlägt, soll das verwerflich sein.
Wenn der in Deutschland geborene frühe Investor (Business Angel) Peter Thiel einen Großteil seines Aktienpaktes losschlägt und dennoch im Verwaltungsrat bleibt, dann soll er sich doch bitte Letzteres noch mal überlegen. Und überhaupt: Jeder, der verkauft misstraut Facebooks Zukunft, er glaubt nicht mehr an den unaufhaltsamen Aufstieg des Unternehmens.
Manch Analyst, manch Uni-Professor oder auch Berichterstatter sieht das so. Darüber hinaus schwingt die Unterstellung mit, sie würden nun abkassieren - womöglich noch mit Insiderinformationen - bevor der Kurs noch weiter sinkt.
Das ist Quatsch. Deshalb ist es wohltuend, dass sich mal einer wehrt - stellvertretend für eine ganze Branche. Diese Woche meldete sich einer via Blogeintrag, der Facebook ansonsten nicht allzu viel abgewinnen konnte, der sich aber angesichts der Rundumschläge mittlerweile genötigt sieht, manche Investoren des Onlinenetzwerkes zu verteidigen. Fred Wilson, selbst Risikokapitalgeber und unter anderem bei Twitter engagiert und ehemaliger Risikokapitalgeber des Onlinespieleherstellers Zynga. Nun könnte man dem Mann vorwerfen, er argumentiere pro domo, es ändert aber nichts an der Tatsache, dass Wilson recht hat.
Er hat recht, wenn er daran erinnert, dass die Aufgabe von Risikokapitalgebern oder Business Angels nicht darin bestehe, bis in alle Ewigkeit bei einem Startup engagiert zu bleiben oder gar dessen Kurs nach dem Börsengang zu stützen. Nein, sie müssen ihren Venture Fonds innerhalb eines gewissen Zeitraums gewinnbringend anlegen. In der Regel bleiben Risikokapitalgeber bis zu fünf Jahre bei einem Unternehmen engagiert. Im Falle Facebooks ist Accel mittlerweile sieben Jahre investiert und damit ungewöhnlich lange. Und Thiel?
Er war einer der ersten, der Mark Zuckerberg überhaupt Geld gegeben hat. 500.000 Dollar riskierte er für einen jungen Mann, der nicht annährend ein Geschäftsmodell vorzuweisen hatte, sondern lediglich auf eine schnell wachsende Nutzerzahl verweisen konnte.
Dass Thiel übrigens die Hälfte seiner Anteile bereits vor dem Börsengang des Onlinenetzwerkes losgeschlagen hat und damit dem Unternehmen auch lange Zeit den Börsengang ersparte, haben Kritiker scheinbar bereits verdrängt. 2009 verkaufte er Anteile an den russischen Investor Digital Sky Technologies. Er hatte sicherlich keine altruistischen Motive, aber immerhin gewannen Zuckerberg und seine Mitstreiter Zeit, ihr Unternehmen weiter zu formen - und um eben nicht überhastet an die Börse stürzen zu müssen.
Ihr Rückzug ist keinesfalls als Misstrauensvotum zu verstehen. Die ersten Investoren Facebooks handeln nicht anders als viele Risikokapitalgeber bei anderen Börsengängen vor ihnen auch. Bei Facebook hören scheinbar nur einige das Gras wachsen, weil der Börsengang bislang mehr Enttäuschungen als Glücksmomente hervorgebracht hat, weil das Unternehmen nicht mit Wachstumszahlen glänzt, wie es Suchmaschinenbetreiber Google nach dem seinem Börsengang tat. Die Fakten über Facebook waren allerdings zuvor für jedermann im Börsenprospekt nachlesbar.
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Wenn nun demnächst die ersten Mitarbeiter Anteile auf den Markt werfen, wäre es auch dann wünschenswert, dass dies nicht gleich als Misstrauensvotum gegen das eigene Unternehmen verstanden wird. Jahrelang verzichteten sie auf höhere Löhne, bekamen dafür Optionen. Es ist üblich, dass viele der frühen Mitarbeiter zu ihrem anfangs geringeren Gehalt auch Unternehmensanteile erhalten. Das bindet sie längerfristig an das Startup und tröstet darüber hinweg, dass junge Unternehmen anfangs nicht mit üppigen Gehältern aufwarten können. Wenn sie nun nach dem Börsengang ihre Optionen einlösen, dann erhalten sie das, wofür sie jahrelang gearbeitet haben. Das ist kein Misstrauensvotum, das ist schlicht Arbeitslohn.
Natürlich ist das derzeit dem Aktienkurs von Facebook nicht dienlich. Denn auf beschriebene Rationalitäten laufen an der Börse von anderen Investoren Wetten. Sie spekulieren darauf, dass bald viele Aktien auf den Markt kommen und den Kurs unter Druck bringen. Das ist quasi eine idiotensichere Wette nach einem Börsengang - noch dazu nach einem, wie ihn Facebook auf den Weg gebracht hat. Wer sich dieser Kette von Reaktionen bewusst ist, der darf sich an anderer Stelle empören, nicht aber daran, dass Risikokapitalgeber und Mitarbeiter für ihr Risiko und ihre Geduld belohnt werden.
Weil in den USA ab bestimmter Unternehmensgröße Du entweder an die Börse mußt oder zumindest Deine Anlegerbasis als nichtbörsennotiertes Unternehmen verbreitern mußt.
Begründung offiziell: damit nicht ein Einzelner oder ein Clan ganz so superreich und vor allem übermächtig wird bei einem wesentlichen Unternehmen (Lehre aus dem Standard Oil-Monopol)
Begründung inoffiziell: damit zumindest bei großen Unternehmen möglichst viele (und nicht nur einer) mitverdienen können und die Wall Street ihr Geld machen kann