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Merken   Drucken   31.10.2010, 11:00 Schriftgröße: AAA

Studie von Personalberatern: Chefsessel wird zum Schleudersitz

Schärfere Kontrolle durch Aufsichtsräte und Fusionen machen die Führungsetage in Unternehmen zum gefährlichen Ort. Einer Umfrage unter Top-Personalberatern schrumpft die Verweildauer von Vorstandschefs und Geschäftsführern weltweit. von Klaus Max Smolka  Kronberg
"Das sind jetzt im Schnitt eher unter vier Jahre", sagte Ulrich Ackermann, Deutschlandchef des Headhunterverbands AESC, der FTD. Der Experte bezog sich auf Resultate einer Befragung, die der Verband Ende November veröffentlichen will. Dabei antworteten im September weltweit 400 bis 500 Berater. "70 Prozent von ihnen meinen, dass die Verweildauer von Vorstandschefs und Geschäftsführern eher weiter abnehmen wird", sagte Ackermann am Rande eines Jahreskongresses von AESC Deutschland in Kronberg.
Damit verschärft sich ein Trend, den Unternehmens- und Personalberater seit Jahren beobachten. So hatte Booz Allen Hamilton 2007 ermittelt, dass sich im deutschsprachigen Raum die durchschnittliche Verweildauer seit 1998 von 8,3 auf 4,7 Jahre verkürzt habe. Das Beratungsunternehmen Bain errechnete für Deutschland und die Schweiz fünfeinhalb Jahre. "Die Aufsichtsräte sind gezwungen, aus rechtlichen Gründen die Vorstände stärker in die Pflicht zu nehmen", sagte Ackermann, der hauptberuflich für Transearch den Markt nach Spitzenkräften durchforstet. War die Unternehmensführung früher meist konsensorientiert, kommt es nun häufiger zu Streit zwischen Vorstand und Kontrollgremium. Zudem machen Investoren oft ihren Einfluss im Aufsichtsrat geltend. Das erhöht den Druck auf Vorstände, gemessen am Aktienkurs oder an Renditevorgaben.
Der Wettbewerb zwinge zu schärferer Kontrolle, sagte Richard Fudickar von der Personalberatung Boyden. Thomas Becker von Russell Reynolds verwies auf die Konsolidierung, also Fusionen, die zumeist einen Chef überflüssig machen.
Dem AESC (Association of Executive Search Consultants) gehören weltweit 180 Personalberatungen an - im deutschen Zweig etwa 20, darunter die meisten großen Häuser wie Heidrick & Struggles, Russell Reynolds oder Spencer Stuart. Nach eigenen Angaben deckt die Landesgruppe vier von fünf Vorstands- oder Geschäftsführerposten ab, die hierzulande mithilfe externer Berater besetzt werden.
AESC meldet einen Aufschwung seiner Branche nach dem Absturz im Krisenjahr 2009. Die Gesamtumsätze dürften 2010 um mehr als ein Drittel gegenüber den 7,4 Mrd. Dollar des Vorjahrs anziehen, sagte Ackermann. Damit lägen sie immer noch um fünf bis sieben Prozent unter dem Rekordjahr 2008. Diese Umsatzmarke von 11 Mrd. Dollar könne aber voraussichtlich 2011 übertroffen werden.
  • Aus der FTD vom 31.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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