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Merken   Drucken   08.06.2010, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Notoperation bei der DAK

Mit dem neuen Gesundheitsfonds sollte alles besser werden. Doch das System wankt, schon 2011 fehlen den Krankenkassen 11 Mrd. Euro. Wie bedrohlich die Lage ist, zeigt das Beispiel der DAK, der drittgrößten Kasse Deutschlands. von Lukas Heiny  Hamburg
Was hat sie sich wegen dieser 8 Euro alles anhören müssen in den letzten Monaten. Beschimpft wurde sie, wüst und derbe, all die Wut bekam sie ab, auf die DAK, auf das System, auf die Politik und deren Versagen. Manchmal musste Yvonne Seidel ihr Headset absetzen, so unangenehm wurde es. "Es waren sehr anstrengende Wochen", sagt sie. "Die Leute wollten sich Luft machen."
Yvonne Seidel, 32, sitzt im ersten Stock des DAK-Servicezentrums in der Hamburger Innenstadt, hinter einem schallschluckenden Raumteiler, umgeben von Topfpflanzen. "DAK, Unternehmen Leben, Seidel, guten Tag", meldet sie sich mit heller Stimme am Telefon. Sie hilft bei Fragen zu Pflegediensten und Auslandsreisen. Und immer wieder geht es um diese verdammten 8 Euro, um den Zusatzbeitrag, den Deutschlands drittgrößte Krankenkasse seit Februar jeden Monat von ihren 4,8 Millionen Mitgliedern einfordert - als erste große Kasse überhaupt.
Hunderttausende haben der DAK deswegen gekündigt. Seidels Job ist es, sich den Zorn der Versicherten anzuhören und sie zum Bleiben zu überreden. Haltearbeit heißt das intern. Wenn man so will, kämpft sie an der vordersten Front des Gesundheitssystems. Eines Systems, das immer teurer wird.
DAK-Zentrale in Hamburg   DAK-Zentrale in Hamburg
Wie die DAK kommen immer weniger Krankenkassen mit dem Geld aus, das sie aus dem Gesundheitsfonds erhalten. Das System befindet sich in einer bedrohlichen Schieflage: In den Kassenzentralen wird bereits durchkalkuliert, was der Untergang eines großen Spielers wie der DAK bedeuten würde.
Dabei ist der Gesundheitsfonds gerade erst ein Jahr alt. Ein Kompromiss, geboren aus dem Streit der Parteien. Als großer Wurf gefeiert wurde er trotzdem. Ein Beitragssatz für alle Versicherten, 14,9 Prozent, und mögliche Zusatzbeiträge sollten endlich für Transparenz und Wettbewerb sorgen.
Die 165 gesetzlichen Krankenkassen erhalten ihr Geld seitdem über den Fonds, orientiert an Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand der Versicherten, 2010 sind das rund 170 Mrd. Euro. Wer mehr bieten will oder wem das Geld nicht reicht, kann Zusatzbeiträge zwischen monatlich 8 und 37,50 Euro erheben.

Teil 2: "Immer schon eine teure Kasse"

  • Aus der FTD vom 08.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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