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Merken   Drucken   23.01.2012, 11:30 Schriftgröße: AAA

D&O-Policen: Managerhaftpflicht soll besser werden

Langsame Schadenbearbeitung, juristische Scharmützel, mangelnde Kommunikation - die Schadenregulierung in der D&O-Versicherung lässt häufig zu wünschen übrig. Ein Kodex, der die Regeln für Schadenfälle festschreibt, soll Abhilfe schaffen. von Friederike Krieger
Führende Versicherer für die Managerhaftpflicht wie die Directors and Officers Liability Insurance (D&O) wollen einen "Schadenkodex" einführen, in dem Fristen und Abläufe bei Schäden klar geregelt sind. "Wir reden von einem Versprechen, das eine Erwartungshaltung weckt", sagte Diederik Sutorius, Geschäftsführer beim Kölner Spezialanbieter VOV, auf einer Fachtagung. "Wenn es nicht gehalten wird, führt das zu Reputationsverlusten für die gesamte Branche."
Damit reagieren Versicherer auf die zunehmende Verunsicherung bei Unternehmen und Führungspersonal. Mit den Policen schützen Unternehmen ihre Manager vor Schadensersatzansprüchen aufgrund von Pflichtverletzungen - bei denen ohne Versicherung das Privatvermögen der Führungskräfte herangezogen werden würde. Doch langsame Bearbeitung und viele juristische Scharmützel führen zu Zweifeln an den Versicherern. Hinzu kommt, dass viele Schadenspezialisten in London ansässig sind und daher keine Deutschkenntnisse haben. Deshalb sei ein Regelwerk nötig, sagte Sutorius. Der Londoner Versicherungsmakler Lloyd's habe bereits 2012 solche Regeln eingeführt.
"Die Entscheidungen der Versicherer müssen für alle Beteiligten nachvollziehbar sein", sagte er. Oft melde sich der Versicherer erst einen Monat nach der Schadenanzeige bei dem betroffenen Manager. "Das ist sehr beunruhigend für ihn." Es sei schon viel gewonnen, wenn die Gesellschaft ihm eine vorläufige Deckungszusage für die Abwehrkosten gibt. Schäden müssten schneller reguliert werden, auch sei bessere Kommunikation über das konkrete Vorgehen nötig.
In der D&O-Versicherung sind verbindliche Regeln für die ...   In der D&O-Versicherung sind verbindliche Regeln für die Schadenregulierung nötig
Alexander Mahnke, Versicherungschef bei Siemens , stimmte zu: "Unternehmen sollten sich darüber im Klaren sein, dass im Schadenfall die Interessen auseinander gehen, und sich noch vor Vertragsbeginn mit dem Versicherer über den Schadenprozess abstimmen." Der Konzern hat bereits entsprechende Vereinbarungen mit seinen Versicherern getroffen.
Siemens hat Erfahrung mit D&O-Policen. Die Korruptionsaffäre bei dem Unternehmen war einer der spektakulärsten D&O-Fälle in Deutschland. Versicherer unter Führung der Allianz zahlten 2009 rund 100 Mio. Euro.
"Es ist wichtig, die Schadenhandhabung rechtzeitig zu besprechen und festzuschreiben, vor allem, wenn die Versicherer auf externe Ressourcen zur Schadenregulierung zurückgreifen oder nicht aus Deutschland stammen", sagt Mahnke.
Versichern sollten Unternehmen seiner Meinung nach in erster Linie das D&O Kernrisiko, also die Gefahr, dass ein Konzern von einem seiner Manager wegen einer Pflichtverletzung Schadenersatz fordert. Von Zusatzleistungen wie der Kostenübernahme für Medikamentenversand bei Haftstrafen für Manager hält Mahnke wenig. "Das hat mit D&O nichts zu tun. Das ist keine Leistung, das ist reines Marketing."
Die Absicherung des Kernrisikos müsse dann aber auch klappen. "Wir brauchen Bedingungen, die funktionieren", sagte er. "Ich will mich im Schadenfall nicht darüber streiten, was ein Vermögenschaden ist, ob der versichert ist oder nicht, ob Rechtsverteidigung gedeckt ist und ich will mich nicht über Ausschlussinhalte streiten." Es müsse ganz klar in den Bedingungen festgeschrieben sein, was versichert ist und was nicht.
Nicht nur große Konzerne benötigen D&O-Policen. Zunehmend wollen auch kleine und mittlere Unternehmen die Deckungen für ihre Manager kaufen. Eine Lösung: D&O-Pools. Dabei sammeln Makler ähnlich gelagerte D&O-Risiken verschiedener kleinerer Unternehmen und versuchen, sie zusammen bei einem Versicherer unterzubringen. Den versicherten Betrieben winken so Großhandelskonditionen.
Der Spezialmaker Hendricks hat jüngst einen D&O-Pool, in dem er rund 1800 Policen kleinerer Firmen zusammengefasst hat, beim Versicherer Chubb platziert. Solche Pools sind für die Makler ein hoch lukratives Geschäft: So strich Hendricks für seinen D&O-Pool rund 35 Prozent der Prämien für Provisionen und Dienstleistungsgebühren ein. Die Schadenquote gibt Hendricks ebenfalls mit 35 Prozent an.
Ende 2012 werden sich die Preise wegen einer bevorstehenden starken Schadenerhöhung wahrscheinlich verdoppeln. "Das habe ich meinen Kunden schon 2011 erkärt", sagte Michael Hendricks, Geschäftsführer des Maklers.
Mahnke von Siemens hält von den Pool-Lösungen für D&O-Risiken wenig. Für ein Unternehmen mit einer Größe wie Siemens spielen sie ohnehin keine Rolle. Managerhaftpflichtdeckungen seien hochkomplexe Produkte, sagte Mahnke. "Wenn sie D&O-Policen poolen, versuchen aus einem drei- ein eindimensionales Thema zu machen", sagte er. "D&O ist aber keine Gruppenunfallversicherung oder Kfz-Haftpflichtdeckung."
  • FTD.de, 23.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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