Die Allianz hatte in den Verhandlungen anfangs darauf bestanden, dass sie keinen finanziellen Nachteil erleidet. Doch letztlich konnte sich Konzernchef
Michael Diekmann dem Druck von Commerzbank, Politik und Aufsicht kaum entziehen. Dabei ist die Allianz in keiner einfachen Lage. Das Unternehmen hält 26 Mrd. Euro an italienischen Staatsanleihen und ist erheblich bei Banken engagiert. Jede Verschärfung der Euro-Krise kann die Allianz in Bedrängnis bringen. Diekmann hat bereits gewarnt, dass der Konzern zwar sein Ziel eines operativen Gewinns von 7,5 Mrd. bis 8,5 Mrd. Euro erreichen wird, dass aber gleichzeitig Abschreibungen auf nachrangige Bankpapiere das Nettoergebnis deutlich negativ beeinflussen werden.
Der Commerzbank fehlen 5,3 Mrd. Euro, um auf die von der EU-Bankenaufsicht geforderte Kapitalquote von neun Prozent der risikogewichteten Bilanz zu kommen. 2,7 Mrd. Euro sollen durch den Abbau von Risiken in der Bilanz freigesetzt werden, 700 Mio. Euro hat der Rückkauf von eigenen Anleihen unter Wert gebracht, weitere 200 Mio. der Verkauf der früheren Dresdner-Bank-Zentrale. Mit der Hilfe der Allianz wären vier Fünftel beisammen.
Mit der Entscheidung über einen möglichen Hilferuf an den Staat lässt sich die Commerzbank Zeit. Bankchef
Martin Blessing betont bei jeder Gelegenheit, dass er die Kapitallücke ohne Staatshilfe stopfen will. Intern ist es aber kein Geheimnis, dass die Commerzbank-Spitze den Staats- und Immobilienfinanzierer
Eurohypo gern beim Bund abladen würde. Bei diesem Bad-Bank-Modell müsste die Commerzbank mit neuen EU-Auflagen für Staatshilfen rechnen. In Regierungskreisen hieß es, der Ball liege bei der Commerzbank, die bisher keinen Plan unterbreitet habe. Der parlamentarische Kontrollausschuss des Soffin hat Szenarien besprochen, aber keine Richtung vorgegeben. "Am Ende entscheidet der Soffin mit dem Bundesfinanzministerium und der Commerzbank", so ein Parlamentarier.