Der Versicherungsverein VHV meldet für 2011 einen Rückgang der Verträge in der Schaden- und Unfallversicherung um 4,1 Prozent auf 7,29 Millionen. Gleichzeitig stiegen die Beitragseinnahmen um 1,3 Prozent. "Wir haben bewusst auf Geschäft in der Kfz-Sparte verzichtet", sagte Vorstandschef Uwe Reuter. In den Sparten technische Versicherungen sowie Haftpflicht-, Wohngebäude- und Kautionsversicherung habe die VHV allerdings deutlich zugelegt.
Damit hat einer der größten Autoversicherer des Landes die oft geäußerte Ankündigung wahr gemacht, bewusst auf Geschäft zu verzichten, wenn die Preise nicht ausreichend sind. "Vor allem in der Flottenversicherung haben wir saniert", sagte Reuter. Außerdem habe das Unternehmen in der Schadenbearbeitung neue Wege eingeschlagen, sagte Thomas Voigt, Chef der VHV Allgemeine Versicherung. Dazu gehört der Ausbau der Werkstattbindung.
Laut Voigt hat sich die Sanierung bereits positiv ausgewirkt. Zwar habe sich das versicherungstechnische Ergebnis von 101,7 Prozent im Jahr 2010 auf 104,1 Prozent im Jahr 2011 verschlechtert. Das heißt, die VHV gab 4,1 Prozent mehr für Schäden, Vertriebs- und Verwaltungskosten aus, als sie an Prämien einnahm. "Doch hat sich das tatsächliche Ergebnis verbessert", sagte Voigt. Denn diese Zahl enthält das Abwicklungsergebnis aus vorhergehenden Jahren - die Versicherer lösen nicht benötigte Schadenreserven auf, die sie aus Vorsichtsgründen in den Vorjahren gebildet haben. "Das Abwicklungsergebnis machte 2010 14 Prozent aus, 2011 aber nur 8,7 Prozent", sagte Voigt. Wenn man das herausrechnet, hat sich das technische Ergebnis von 115,7 Prozent 2010 auf 112,8 Prozent verbessert, so das Unternehmen.
Beim Konzernergebnis meldete das Unternehmen eine Steigerung um 36 Mio. Euro auf 109 Mio. Euro. Nach Angaben von Vorstand Voigt geht das weitgehend auf eine Entnahme von 78 Mio. Euro aus den Schwankungsrückstellungen in der Kautionsversicherung zurück - einer Sparte, in der die Gesellschaft Bauunternehmen gegen Ansprüche von Auftraggebern absichert, und in der sie zu den Marktführern gehört.
Mit Schwankungsrückstellungen müssen Unternehmen unter dem deutschen Bilanzierungssystem HGB einen Teil der technischen Gewinne für schlechtere Zeiten zurücklegen. "Die Vorgaben zur Berechnung der Schwankungsrückstellung in der Kautionsversicherung basieren auf den letzten 30 Jahren, die VHV betreibt dieses Geschäft aber erst seit 1990", sagte Voigt. Die Schwankungsrückstellung sei im Vergleich zum Durchschnitt aller Kautionsversicherer etwa dreimal so hoch, weil auch Zahlen der bis 1990 aktiven Vorgängerorganisation für die Berechnung benutzt wurden - des Kautionsvereins für das Deutsche Baugewerbe. Jetzt verwende VHV nur die eigenen Zahlen und habe deshalb 78 Mio. Euro aus den Schwankungsrückstellungen entnehmen müssen.