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Merken   Drucken   14.02.2012, 12:00 Schriftgröße: AAA

Langfristige Investments: Signal Iduna zufrieden mit Kapitalerträgen

Die Versicherungsgruppe hat im vergangenen Jahr mit ihren Kapitalanlagen noch ordentlich verdient. Dennoch macht sich das Management Sorgen über die Finanzmarktkrise. von Herbert Fromme 
Der in Dortmund und Hamburg ansässige Versicherungskonzern Signal Iduna hat 2011 mit seinen 54 Mrd. Euro Kapitalanlagen eine Nettoverzinsung von 4,1 Prozent erzielt. Das sagte Konzernchef Reinhold Schulte vor Journalisten. Bei der Neuanlage von 2,9 Mrd. Euro habe das Unternehmen im vergangenen Jahr sogar 4,5 Prozent erreicht. "Wir legen sehr langfristig an", sagte Schulte.
Probleme aus einer künftigen inflationären Entwicklung und einem möglichen Zinsanstieg - bei dem der Wert von jetzt gekauften Langfristpapieren mit moderaten Zinsen fallen würde - sieht Schulte nicht. Darauf sei das Unternehmen vorbereitet.
Signal Iduna hat mehr als zehn Prozent der Kapitalanlagen in Immobilien angelegt, nur rund 1 Prozent in Aktien. Anders als der Rest des Marktes halte das Unternehmen deutlich weniger als 80 Prozent in festverzinslichen Papieren. Künftig will der Konzern, der seine Wurzeln im Handwerk hat, verstärkt in Unternehmensübergänge bei mittelgroßen Gesellschaften investieren.
Sein Engagement bei der Containerreederei Hapag-Lloyd stockt der Versicherer im Zuge der gegenwärtigen Umstrukturierung im Aktionärskreis um 7 Mio. Euro auf rund 180 Mio. Euro auf. Dennoch sinkt der Aktienanteil leicht von 5,52 Prozent auf 5,28 Prozent. "Wir sehen das als lohnendes Finanzinvestment."
Signal Iduna-Chef Reinhold Schulte sorgt sich über niedrige Zinsen   Signal Iduna-Chef Reinhold Schulte sorgt sich über niedrige Zinsen
Schulte äußerte sich besorgt über niedrige Zinsen und kritisch zu Banken. "Es kann nicht sein, dass durch Gier Dinge in eine Schieflage geraten." Außerdem mahnte er die Regierungen, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen. Die Staaten müssten bereit sein, wieder Vertrauen zu gewinnen, damit man ihnen wieder Geld leihen könne. "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Staaten wissen, dass sie so nicht weiter wirtschaften können."
Beim Umsatz habe Signal Iduna 2011 in der Kranken- und Schadenversicherung zugelegt, in der Lebensversicherung beim Geschäft mit Einmalbeiträgen bewusst einen Rückgang hingenommen. Die Lebensversicherung gegen laufenden Beitrag habe zugelegt. Der Konzern hatte 2010 5,6 Mrd Euro an Beiträgen eingenommen und sieht sich als Nummer acht unter den deutschen Erstversicherern.
Signal Iduna und der Schweizer Versicherer Bâloise hätten die Entflechtung der Gesellschaften des Deutschen Rings jetzt abgeschlossen, sagte Schulte. Die Deutsche Ring Leben und Sach gehören zur Bâloise, der Versicherungsverein Deutscher Ring Kranken hatte sich 2010 der Signal Iduna-Gruppe angeschlossen. Vorher hatten sie jahrzehntelang als ein Konzern agiert.
"Die Entflechtung war sehr schwierig und hat 10 Mio. Euro bis 12 Mio. Euro gekostet", sagte er. Andererseits habe Signal Iduna eine Gesellschaft mit 500 Mio. Euro Prämie - die Deutscher Ring Kranken - sowie die Mehrheit an dem Kölner Finanzvertrieb OVB gewonnen.
Schulte sagte, in der Hamburger Hauptverwaltung des Deutschen Rings seien die Büros inzwischen räumlich getrennt, die Mitarbeiter seien klar zugeordnet. In Hamburg sucht Signal Iduna neue Büroräume, um alle 3700 Mitarbeiter vor Ort an einem einzigen Standort unterzubringen. "Wir erwägen drei Optionen", sagte Schulte. "Bis Ende März wird das beschlossen sein."
Schulte, der auch Vorsitzender des Verbandes der privaten Krankenversicherer (PKV) ist, warnte seine Kollegen vor der Umgehung neuer Vorschriften zur Begrenzung von Provisionszahlungen. Ab April 2012 gilt die gesetzliche Vorgabe, dass Versicherer höchstens neun Monatsbeiträge als Provision an Vertriebe zahlen dürfen. Bislang waren es oft über zwölf, in der Spitze bis 18. Die Begrenzung hatte der PKV-Verband unterstützt, einzelne Unternehmen lehnen sie aber ab und suchen nach Alternativen, um ihre Vertriebserfolge nicht zu gefährden. "Wenn ein Vorstand die Gesetze bricht, muss die Finanzaufsicht BaFin handeln", sagte Schulte.
  • FTD.de, 14.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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