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Merken   Drucken   13.09.2012, 16:41 Schriftgröße: AAA

Zahnbeweis: Neandertaler waren sprechende Rechtshänder

Aus den Abnutzungsspuren im Gebiss eines Neandertaler-Skelettes ziehen Frankfurter Forscher einen klaren Schluss: Der Mann muss Rechtshänder gewesen sein - und er muss die Fähigkeit zum Sprechen besessen haben.
© Bild: 2012 dpa-Bildfunk/Royal Belgian Institute Of Natur
Aus den Abnutzungsspuren im Gebiss eines Neandertaler-Skelettes ziehen Frankfurter Forscher einen klaren Schluss: Der Mann muss Rechtshänder gewesen sein - und er muss die Fähigkeit zum Sprechen besessen haben.

Die Neandertaler könnten sich wie heutige Menschen unterhalten haben, während sie mit der rechten Hand Werkzeuge benutzten. Seine Zähne haben einen in Frankreich gefundenen Neandertaler nach Ansicht von Forschern des Frankfurter Senckenberg-Instituts als Rechtshänder entlarvt. Damit sei auch wahrscheinlich, dass er sprechen konnte, sagte Virginie Volpato von der Senckenberg-Abteilung für Paläoanthropologie in Frankfurt. Zusammen mit Kollegen hatte sie das rund 75.000 Jahre alte, vermutlich männliche Skelett untersucht, das einen gut erhaltenen Unterkiefer mit sämtlichen Zähnen aufwies. Ihre Studie über die vor rund 30.000 Jahren ausgestorbene Menschenart erschien kürzlich im Fachjournal "Plos One".

Die Abnutzung der Zähne verrät: Ein Neandertaler war ...   Die Abnutzung der Zähne verrät: Ein Neandertaler war Rechtshänder, sein Sprachzentrum lag in der linken Hirnhälfte

Aus schrägen, von rechts oben nach links unten verlaufende Kratzspuren an den Zähnen schlossen die Forscher, dass der etwa 20 Jahre alte Mann seine rechte Hand benutzte, um Nahrung zum Mund zu führen. Ihre Zähne hätten Neandertaler häufig als eine Art "Dritte Hand" benutzt. Das habe zu einem Verschleiß des vorderen Gebisses und charakteristischen Kratzspuren geführt. "Die Winkel der Spuren zeigen uns, welche Hand zum Greifen der Nahrungsmittel genutzt wurde", sagte Volpato. Analysen der Arm- und Schulterknochen stützten die Vermutung, dass der untersuchte Mann Rechtshänder war wie die meisten seiner Verwandten.

Aus der Rechtshändigkeit schließen die Forscher, dass bei dem Neandertaler die linke Gehirnhälfte dominierte und der Mann damit die Fähigkeit zum Sprechen hatte. Das Sprachzentrum des heutigen Menschen liege meist in der linken Gehirnhälfte. "Die Rechtshändigkeit der fossilen Menschenverwandten deutet auf ein modernes Muster der linken Gehirnhälfte hin. Aufgrund dieser Dominanz und anderen Beweismitteln, wie archäologischen Funden und DNA-Analysen, gehen wir davon aus, dass Neandertaler die Fähigkeit zur Sprache hatten", sagte Volpato.

  • dpa, 13.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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