Kolumnen

The Merge – Das Ethereum Upgrade

  • Foto von Axel Daffner
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Stromverbrauch sinkt um 99,95%
  • Die Kehrseite von Ethereum 2.0
  • Mehr als nur ein einfacher Wechsel von PoW zu PoS

Ethereum 2.0 kommt und der Stromverbrauch sinkt um 99,95%

Seit dem Start des Ethereum-Netzwerks im Jahr 2015 haben Vitalik Buterin und andere Ethereum-Blockchain-Entwickler die Idee den Konsensmechanismus von Proof of Work (PoW) zu Proof of Stake (PoS) zu ändern. Durch Blogs ließen die Entwickler ihre Follower an ihren Ideen und den Details zum Projekt teilhaben. Dazu gehörten Begründungen, wie das Netzwerk mit dem PoS-Framework an Sicherheit, Skalierbarkeit und Effizienz gewinnen würde. Doch die Möglichkeit, dass der Merge zu einer Senkung des Stromverbrauchs um mehr als 99,95 % führt, macht es zu einem überaus interessanten Projekt. Nach etwa 7 Jahren der Diskussionen und Verzögerungen soll der Ethereum Merge im September nun endlich abgeschlossen werden. Die Kryptowelt erwartet, dass Ethereum zur unangefochtenen, führenden Blockchain wird und weitere Nutzer durch die geringeren Kosten anzieht. Hohe Sicherheit, wenig Stromverbrauch, ein schon bestehendes Ökosystem und vielfältige Einsatzmöglichkeiten klingen schließlich nach einer „eierlegenden Wollmilchsau“. Die Hoffnung ist selbstverständlich auch, dass der Preis des nativen Tokens ETH steigen wird.

Die Kehrseite von Ethereum 2.0

Das Update von PoW zu PoS könnte jedoch einige bedeutende Änderungen mit sich bringen, die klare Nachteile darstellen. Erstens müssen Validierer, die die Miner ersetzen, einen Mindesteinsatz von 32 ETH (50.000 USD) auf der Ethereum Blockchain als Sicherheit hinterlegen (Stake), um überhaupt im Netzwerk validieren zu dürfen. Diese hinterlegte Sicherheit kann auch beliebig höher sein, um mehr Stimmrechte im Netzwerk zu erhalten. Damit ist eine recht hohe Einstiegshürde gesetzt, um am Netzwerk mitentscheiden zu können. Große Validierer, könnten sich dann auch für eine Zusammenarbeit mit Regierungen entscheiden und deren Wünsche umsetzen. Ebenfalls macht es der Merge den Validierern sehr schwer, aus dem Validierungsprozess beliebig auszusteigen. Wenn man als Validierer aus dem Netzwerk aussteigt, kann unter Umständen ein Teil der hinterlegten Sicherheit einbehalten werden, um einen schnellen Ausstieg vieler Validierer zu verhindern – also ein Anti-Bankrun System.

Viele Experten könnten sich auch ein Worst-Case-Szenario vorstellen, in dem die US-Regierung nach dem Merge von den Validierern verlangt, dass sie bestimmte Transaktionen nicht mehr validieren, z. B. bei Tornado Cash-Adressen (Anmerkung: Bei der Software Tornado Cash handelt es sich um die größte Geldwaschmaschine der Kryptowelt). Sollte eine große Anzahl von Validierern der Aufforderung folgen, wäre Tornado Cash am Ende. Das würde aufzeigen, dass die US-Regierung in der Lage wäre den Betrieb beliebiger Smart Contracts zu verhindern. Da Dezentralisierung und Unabhängigkeit von Regulierungsbehörden die Idee und Philosophie der Ethereum Blockchain darstellen, würde dies den Sinn der Blockchain in Frage stellen.

Laut einer Umfrage würden 66 % der Beacon-Chain-Validierer der Aufforderung durch die OFAC, der Sanktionsbehörde der Vereinigten Staaten, Folge leisten. Das würde bedeuten, dass sie auch Zensuranfragen der Behörden akzeptieren. Über 60% der Validierer, setzen sich aus vier Organisationen zusammen (Coinbase, lido finance, Kraken und Binance). Erst kürzlich hat Coinbase angedeutet ihren 1,1 Milliarden USD Quartalsverlust durch Staking und Validieren zum großen Teil wieder wettmachen will. Es ist somit unwahrscheinlich, dass Coinbase sein Geschäftsmodell für eine Anti-Zensur-Position gegenüber der OFAC riskieren würde. Coinbase ist mittlerweile ein vollreguliertes börsennotiertes Unternehmen – bedeutet das also das Ende der antiautoritären wilden Krypto-Szene?

Der Merge ist mehr als nur ein einfacher Wechsel von PoW zu PoS durch technische Anpassungen. Sie wird die Organisation des Ethereum Netzwerks grundlegend verändern und zu einer erheblichen Machtverschiebung innerhalb der Ethereum Blockchain führen. Die Ethereum Blockchain könnte ihre Dezentralität verlieren und die Macht auf einige wenige Organisationen konzentrieren. Dies würde das ursprüngliche Ziel, eine echte Dezentralisierung zu erreichen, zunichtemachen und die Entwicklung von Blockchain Anwendungen verzögern.

Vielleicht meldet sich Satoshi Nakamoto mal wieder zu Wort und meldet Bedenken an – Dezentralisierung und Unabhängigkeit waren nun mal sein oder ihr Mantra. Es war, ist und bleibt spannend.

Ihr Axel Daffner

Über den Autor

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Axel Daffner

Axel Daffner, Jahrgang 1973, ist Vermögensverwalter und geschäftsführender Gesellschafter der Pegasos Capital GmbH mit Sitz in München. Bevor er im Jahre 2012 zu Pegasos Capital stieß, war der diplomierte Betriebswirt nach seinem Abschluss zunächst als Unternehmensberater und anschließend als Portfoliomanager für eine ebenfalls in München ansässige Vermögensverwaltung tätig. Er berät seit Mai 2019 mit seinem Team den Blockchain Fonds ART Transformer Equities, der global in Aktien von Unternehmen investiert, die sich mit der Blockchain Technologie beschäftigen.

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