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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   16.09.2010, 19:51 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Wir schauen dann lieber mal weg

Die Philly-Fed-Wochenarbeitsstunden sind auf einem Niveau, das 2008 mit US-Stellenverlusten von 500.000 einherging. Natürlich muss das nicht viel heißen. Vielsagend ist allerdings, dass dies einfach ignoriert wird.
Die Anleger sind doch immer ganz versessen auf Konjunkturumfragen wie jene des Ifo oder des ISM. Am Donnerstag hat die Federal Reserve Bank of Philadelphia ihren viel beachteten Business Outlook Survey für den September veröffentlicht. Bezüglich der Aufträge und der Produktion im verarbeitenden Gewerbe hat die regionale Zentralbank - gelinde gesagt - wenig Gutes zu vermelden. Aber den Anlegern war das egal, da der Gesamtindex trotz der Zunahme zwar schwächelt, aber kaum misslicher als vermutet ausgefallen ist. Und das Kriterium "Besser-schlechter-als-erwartet" ist ja heutzutage der entscheidende Maßstab.
Philly-Fed-Wochenarbeitszeit   Philly-Fed-Wochenarbeitszeit
Für die Unterkomponenten dieses Konjunkturwegweisers werden glücklicherweise keine Konsensschätzungen erhoben. Denn dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf ein Indexäquivalent von minus 21,6 Zählern (Vormonat: minus 17,1) gefallen ist, dürften die wenigsten auf der Rechnung gehabt haben. Das ist deshalb bemerkenswert, weil im Oktober 2008, als die entsprechende Komponente einen ähnlichen Wert von minus 20,7 aufgewiesen hatte, die Beschäftigung im nichtagrarischen US-Privatsektor um Furcht einflößende 547.000 Stellen gefallen war.
Insgesamt beläuft sich der Korrelationskoeffizient zwischen dem Philly-Fed-Unterindex der Wochenstunden und der Veränderung der nichtagrarischen US-Privatbeschäftigung seit 2000 immerhin auf 0,8. Natürlich wäre es dennoch töricht, aus einem einzelnen Monatswert eines regionalen Branchenindex auf eine empfindliche Verschlechterung des US-Arbeitsmarkts zu schließen - wenngleich die immer noch sehr hohen Erstanträge auf Stütze, die Umfragen unter Verbrauchern und Kleinbetrieben sowie nicht zuletzt auch der oft gehuldigte Beschäftigungsindex im Non-Manufacturing-ISM in eine ähnliche Richtung deuten. Bezeichnend ist allerdings, dass der Philly-Wochenarbeitszeitindex jetzt, da dieser eher ungünstige Signale sendet, kaum beachtet wird.
Aber so ist das eben an den Börsen. Besser nicht fragen. Zum Beispiel, wieso eine Wirtschaft, die über die vergangenen 30 Jahre ein kumuliertes Leistungsbilanzdefizit von 7973 Mrd. Dollar fabriziert hat, im zweiten Quartal einen Überschuss des Vermögenseinkommens mit dem Ausland von 43 Mrd. Dollar erzielen kann. Die Finanziers der USA müssen das Geschäft ihres Lebens machen.
  • Aus der FTD vom 17.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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