Der seit zwei Jahren eingefrorene offene Immobilienfonds SEB ImmoInvest legt sein Schicksal in die Hände der Anleger. Der gut 6 Mrd. Euro schwere Fonds werde am 7. Mai für einen Tag öffnen und versuchen, die Rückgabewünsche der Anleger zu bedienen, teilte SEB Asset Management am Mittwochabend mit. Nur wenn mit der derzeitigen Liquiditätsquote von gut 30 Prozent alle Rückgabewünsche bedient werden können, habe der Fonds eine Zukunft. Andernfalls droht dem ImmoInvest die Abwicklung. Falls zu viele Investoren ihre Anteilsscheine rückgeben, könnte der Fonds wieder in Schieflage geraten.
Eine solche Blitzöffnung ist rechtlich zwar erlaubt, fördert Experten zufolge aber nicht unbedingt das Anlegervertrauen. Die Gnadenfrist der Regulierer läuft eigentlich am 5. Mai ab: Bis dahin hätte der Fonds wieder öffnen oder liquidiert werden müssen. In der Branche wurde zuletzt erwartet, dass sich SEB für eine Abwicklung des ImmoInvest entscheidet.
Fondsmanagerin Barbara Knoflach will die Verkaufsorders in den nächsten Tagen sammeln und alle Anleger gleich behandeln. Der Anteilswert wird allerdings im Zuge von Wertberichtigungen auf den Immobilienbestand von vornherein um fünf Prozent gesenkt. Weitere Details will Knoflach am Donnerstag bekanntgeben.
Die Nachrichten vom SEB ImmoInvest sind ein denkbar schlechtes Vorzeichen für den ungefähr gleich großen und ebenfalls eingefrorenen Konkurrenten CS Euroreal, über dessen Zukunft bis spätestens 18. Mai entschieden werden muss.
Offene Immobilienfonds galten hierzulande jahrelang als sicheres Investment gerade für Kleinsparer, weil sie Immobilienanlagen breit streuen. Die Branche warb damit, dass die Mittel täglich verfügbar sind. Doch in der Finanzkrise 2008 zogen institutionelle Investoren auf einen Schlag Milliardensummen aus den Fonds ab, während Kleinanleger oft nicht schnell genug reagierten. Aus Sorge vor Liquiditätsengpässen froren deshalb viele Gesellschaften ihre Fonds ein und stoppten die Anteilsscheinrücknahme.
Bis heute hat sich die Lage kaum entspannt. Eine 2011 beschlossene gesetzliche Neuregelung greift erst über die Zeit. Aktuell sind nach Angaben des Branchenverbands BVI rund 15 Mrd. Euro in eingefrorenen offenen Immobilienfonds dem Zugriff der Anleger entzogen - fast ein Fünftel des gesamten Vermögens in dieser Anlageklasse. Derzeit befinden sich schon acht Fonds in der Abwicklung. Auch etliche Dachfonds, die in offene Immobilienfonds investierten, mussten dichtmachen.