Nach Einschätzung von Gross landeten seit Beginn des Aufkaufprogramms im November rund 70 Prozent aller neu emittierten Staatsanleihen bei der Fed. Diese erwirbt die Treasuries zwar nicht direkt beim Finanzministerium, sondern bei den Geschäftsbanken. Effektiv seien die in den vergangenen Monaten emittierten Papiere aber entweder in die Bilanz der Fed gewandert oder von ausländischen Zentralbanken erworben worden, schrieb der Co-Chief-Investmentofficer von Pimco in seinem zu Monatsbeginn veröffentlichten Strategie-Ausblick.
Vergleich mit Schneeballsystem
In der Vergangenheit hatte Gross die Anleihekäufe der Fed bereits mit einem Schneeballsystem verglichen und vor einem Vertrauensverlust gewarnt. Die Verbindlichkeiten souveräner Staaten fußten schon immer auf der Annahme, dass sie niemals zurückgezahlt werden müssten, weil sich die Länder mit Wachstum aus dem Schuldendilemma befreien könnten. Doch das funktioniere nicht mehr. "Es gibt wie in einem Schneeballsystem keine Notwendigkeit, weitere Leichtgläubige zu finden. Sie (die US-Notenbank) wird die Schecks einfach selbst ausstellen. Ich frage: Hat es jemals ein dreisteres Schneeballsystem gegeben?"
Ziel des auch als geldpolitische Lockerung (Quantitative Easing) bezeichneten Fed-Programms ist, das allgemeine Zinsniveau niedrig zu halten, um die Konjunktur zu stützen. Damit verbilligt sich auch der Schuldendienst der US-Regierung. Die Pimco-Fondsmanager werfen Washington deshalb vor, seine Schulden weginflationieren zu wollen.
Die niedrigen Renditen auf US-Staatsanleihen haben aber noch einen weiteren Effekt: Sie machen Investitionen in US-Staatsanleihen für viele Privatanleger unattraktiv. Wenn die Fed ihre Käufe einstellt, dürften wegen der fallenden Kurse zwar auch die Renditen wieder steigen - nach Einschätzung von Gross wird aber eine erhebliche Korrektur notwendig sein. Es sei rational, für zehnjährige US-Staatsanleihen eine Rendite von vier Prozent zu erwarten, sagte er kürzlich. Am Mitttwoch notierte das Papier bei knapp 3,5 Prozent. Die Rendite hat damit bereits deutlich zugelegt: Ende Oktober 2010 hatte sie noch bei 2,4 Prozent gelegen.