Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Zum Schicksal von dauerhaft Verluste schreibenden Firmen gehört, dass ihre Aussagen oft ungewollt komisch-verzweifelt klingen - wer wüsste das nicht.
Es fängt schon damit an, dass wer "Air Berlin I" in Google eintippt, als ersten Suchvorschlag nicht "Air Berlin Investor Relations", sondern "Air Berlin Insolvenz" geliefert bekommt. Zwar hat Air Berlin im dritten Quartal sowohl netto als auch operativ einen Gewinn eingeflogen, doch für den Neun-Monats-Zeitraum war beides negativ, ebenso wie in den Geschäftsjahren 2011 und 2010. Der letzte Ganzjahresnettogewinn wurde 2007 erzielt. Vor diesem Hintergrund ist es beinah verständlich, beim Thema Dividendenpolitik darauf hinzuweisen, dass "die Aktie von Air Berlin ein Wertpapier für mittel- und langfristig orientierte Anleger ist". Man plane daher aufgrund der "aktuellen Markt- und Wettbewerbssituation, die voraussichtlich erwirtschafteten Gewinne der kommenden Jahre nicht an die Aktionäre auszuschütten". Von der Unternehmenssituation ist da keine Rede.
Was die Haltedauer der Aktie angeht: Da ist man bisher mit einer hohen Handelsfrequenz besser als mit dem Langfristansatz gefahren. Und eine Dividende würde die Aktionäre ohnehin nur irritieren - sie kennen nur die andere Richtung: Seit dem Börsengang Mitte 2006 wurden sie noch viermal zur Kasse gebeten - mit stets steigenden Beträgen. Die Anleihezeichner mussten schon fünfmal ran. Die damit auf mittlerweile 854 Mio. Euro angestiegene Nettoverschuldung drückt entsprechend auf das Ergebnis: Die Zinsen fraßen im dritten Quartal fast ein Fünftel des Betriebsgewinns auf. Zwar konnte der Nettogewinn die Eigenkapitalquote von zuletzt 4 auf nun 7,8 Prozent erhöhen. Doch was heißt das schon bei dieser Bilanzstruktur, einem saisonal schwachen laufendem Quartal und einem kommenden, saisonal noch schwächeren ersten Quartal?
Dass die - natürlich üppig verzinsten - Anleihen nah an pari notieren, ist nur damit erklärbar, dass die Anleihebesitzer, und damit letztlich auch die Aktionäre, auf weiteres Geld von Etihad hoffen. Der Erlös aus dem Verkauf des Vielfliegerprogramms hilft jedenfalls nur kurzfristig, während er die künftigen Erträge belastet. Schöne Aussichten.