Der Facebook-Aktienkurs ist am Donnerstag an der Wall Street um bis zu sieben Prozent unter die 20-Dollar-Marke und auf ein neues Allzeittief gefallen. Das Papier notierte zwischenzeitlich bei 19,69 Dollar - 13 Cent unter dem bisherigen Allzeittief. Zuvor war eine Haltefrist für zunächst 271,1 Millionen Aktien ausgelaufen. Der Ausgabepreis beim Börsengang im Mai lag bei 38 Dollar.
Ingesamt könnte sich der Streubesitz durch den Verkauf von Papieren in den Händen von Mitarbeitern und Frühinvestoren um zwei Drittel erhöhen. "Wenn Facebook bei 30 Dollar gehandelt würde, wären die Auswirkungen durch das Ende der Haltefrist sicherlich stärker. Aber bei 20 Dollar? Sicherlich nicht so doll", sagte der Gründer des Analysehauses Investingwithoptions.com, Steve Place. Viele Anleger dürften auf eine Verbesserung des Kurses setzen und deswegen ihre Aktien nicht verkaufen. Bereits jetzt ist der Kurs sehr schwankungsanfällig mit im Schnitt vier Prozent pro Tag.
Anleger machen um die einstigen Börsendarlings Facebook, Groupon und Zynga einen großen Bogen. Zwar wurden die Emissionen mit großer Begeisterung verfolgt, doch nach dem IPO flachte die Euphorie schnell ab. Bei Groupon und Zynga hat die Vergangenheit gezeigt, dass Mitarbeiter und frühe Geldgeber gern davon Gebrauch machen, ihre Aktien nach der vereinbarten Halteperiode zu Geld zu machen. Der Groupon-Aktienkurs etwa brach an dem Tag, als die erste Frist auslief, um neun Prozent ein. Bei Zynga waren es acht Prozent.
Zu den größten Anteilseignern, die ab Donnerstag ihre Aktien auf den Markt werfen dürfen, gehören die Risikokapitalgeber Accel Partners, DST Global Limited, Microsoft und Paypal-Gründer Peter Thiel.
Accel wie auch Thiel gehörten zu den ganz frühen Unterstützern des von Mark Zuckerberg in Harvard gegründeten Netzwerks. Sie dürften bei Verkäufen die größten Gewinne einfahren. Microsoft hatte 2007 die Summe von 240 Mio. Dollar bei einem Marktwert von Facebook von geschätzten 15 Mrd. Dollar investiert. Heute liegt dieser Wert bei 45 Mrd. Dollar. DST kaufte Papiere zu verschiedenen Preisen.
Beobachter rechnen mit maximalen Kursausschlägen bei der Facebook-Aktie bis Freitag von rund sechs Prozent und damit zwischen 19,25 und 21,75 Dollar. Deutlich besorgter äußern sich Experten für die in diesem Jahr noch anstehenden weiteren Haltefristen, die auslaufen. Bis Jahresende kommen nach und nach noch insgesamt 1,44 Milliarden Aktien auf den Markt. Zuckerberg selbst kann seine Scheine beispielsweise erst ab Mitte November anbieten.
Großinvestor Thiel sorgte bereits zuvor für mehr Flexibilität für den Verkauf seiner Anteile. Der Unternehmer, der bei dem sozialen Netzwerk im Verwaltungsrat sitzt, hat mehr als neun Millionen seiner Class-B-Aktien in Class-A-Aktien umgewandelt. Das geht aus einem Dokument hervor, das vergangenen Freitag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht wurde. Class-A-Aktien lassen sich einfacher handeln.
Beim Börsengang von Facebook, dessen Führungsgremium Thiel angehört, erlöste der Hedge-Fonds-Manager rund 630 Mio. Dollar durch den Verkauf von mehr als 16 Millionen Aktien. Thiels jetzige Facebook-Beteiligung hat einen Wert von mehr als 550 Mio. Dollar.
"Es ist sicherlich kein Vertrauensbeweis, wenn jemand, der so viel weiß wie Peter Thiel, den Rest seiner Aktien für einen schnellen Verkauf vorbereiten will", sagte Erik Gordon, Professor an der Ross School of Business der Universität von Michigan.
Dem bei der SEC eingereichten Dokument zufolge besitzt Thiel mehr als 27 Millionen Facebook-Aktien, von denen die meisten bereits Class A sind. Andere frühe Facebook-Anteilseigner, wie die Wagniskapitalfirma Accel Partners, halten ebenfalls größtenteils Class-A-Aktien. Da diese weniger Stimmrechte haben als Class-B-Aktien, gibt Thiel mit dem Umtausch auch einen Teil der Kontrolle an dem Unternehmen auf.
Beim Börsengang im Mai sammelte Facebook 16 Mrd. Dollar ein. Seither meiden Anleger die Aktie aufgrund von Zweifeln, ob das Unternehmen in der Lage ist, mit mobilen Nutzern Geld zu machen.