Ein Mann schaut aus dem Fenster eines Plattenbau in Berlin Prenzlau
Die Immobilienfonds, die Kern gezeichnet hat, sind Gesellschaften bürgerlichen Rechts. Das heißt, Kern haftet mit seinem persönlichen Vermögen. Eine Chance auszusteigen gibt es nicht. Keiner kauft die Immobilien. So wie dem Arzt geht es zurzeit vielen Investoren. Ausgerechnet der Soziale Wohnungsbau in Berlin bringt die etwa 10.000 Zeichner von geschlossenen Immobilienfonds um ihre Altersvorsorge - und macht viele von ihnen selbst zu Sozialfällen. Weil das Land Berlin einkalkulierte Fördergelder verweigert.
Der soziale Wohnungsbau in Berlin ist ein Sonderfall. Die klamme Stadt hatte seit den Nachkriegsjahren immer Schwierigkeiten, der gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen, akzeptablen Wohnraum für sozial schwache Bürger zu stellen. Also entwarf der Senat 1972 ein spezielles Wohnungsbauprogramm. Mit Steuervorteilen und großzügigen Förderungen lockte Berlin Investoren. Anleger wie Kern beteiligten sich über geschlossene Immobilienfonds. Steuer- und Anlageberater rieten zu dem Modell. Nicht wegen der Rendite, die lag nur bei zwei Prozent, sondern wegen der Sicherheit, für die das Land Berlin und auch der Bund standen. "Besonders linke Klientel fühlte sich von den Fonds angesprochen. Sie investierten schließlich in den sozialen Wohnungsbau. Taten damit etwas Gutes", sagt Anwalt Florian Loddenkemper, der mehrere Fondsgesellschaften vertritt. Im Schnitt seien die Investoren mit etwa 100.000 DM eingestiegen. Die Rendite sollte später einmal die Rente aufbessern.