Homanns Vorgänger Kurth war zwar fachlich anerkannt und hätte auch gerne weitergemacht. Er hat seinen Posten jedoch der SPD zu verdanken, was für die Union Grund genug war, eine Neubesetzung anzustreben. Rösler wiederum hatte stets erklärt, für ihn sei die fachliche Qualifikation wichtiger als das Parteibuch.
Homann gilt als erfahrener Industrie- und Energiefachmann. CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos ernannte ihn 2008 zum beamteten Staatssekretär. Unter den FDP-Ministern Rainer Brüderle und Rösler verhandelte Homann das Energiekonzept der Bundesregierung - vor und nach Fukushima. Zu Homanns neuen Herausforderungen gehört nun die Umsetzung der Energiewende. Der Umbau der Strom- und Gasnetze ist dabei entscheidend - und die Bonner Regulierungsbehörde setzt den Rahmen. Zuletzt hat die Politik wichtige Entscheidungen an die Behörde ausgelagert. Als es um die Frage ging, ob nach der Abschaltung von acht Kernreaktoren einer davon als Kaltreserve gebraucht wird, durfte die Agentur allein entscheiden. Sie entschied sich gegen die atomare Kaltreserve und muss nun um ihren Ruf fürchten, sollte es doch zum Blackout kommen.
Für den neuen Behördenchef zeichnet sich eine delikate Aufgabe ab: Er muss vermitteln im Verteilungskampf zwischen Netzbetreibern und Stromkunden. Schon Kurth bekam die ersten Ausläufer dieses Konflikts zu spüren. Mit seinem Vorschlag, die Eigenkapitalrendite für Netzbetreiber deutlich zu senken, löste er einen Aufschrei in der Branche aus. Schließlich blieb es bei einer kaum spürbaren Senkung um 0,25 Prozentpunkte auf 9,05 Prozent. Zufrieden sind die Unternehmen trotzdem nicht - sie beharren auf einer Erhöhung, um Investitionen in Milliardenhöhe stemmen zu können. Gleichzeitig wird Homann darauf achten müssen, dass die Gebühren des Netzbetriebs nicht aus dem Ruder laufen. Sie machen sich unmittelbar in höheren Strompreisen für Endverbraucher bemerkbar - und werden so ebenfalls zum Politikum. Nach Jahren stetig sinkender Netzentgelte haben erstmals viele Betreiber zur Jahreswende kräftige Erhöhungen angekündigt.