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Merken   Drucken   09.07.2010, 06:00 Schriftgröße: AAA

Gastbeitrag Annette Schavan: Warum wir Stipendien brauchen

Kommentar Die Opposition kritisiert das Programm der Bundesregierung als überflüssige Förderung gut betuchter Studenten. In Wirklichkeit geht es darum, Leistung und Engagement zu belohnen. von Annette Schavan
Annette Schavan (CDU) ist Bundesministerin für Bildung und Forschung.
Wer hat, dem wird gegeben", lautet der pauschale Vorwurf, den Kritiker gegen das von der Bundesregierung geplante nationale Stipendienprogramm richten. Sie zeichnen das Zerrbild von Studenten aus reichen Elternhäusern, die ohnehin schon allzu gut betucht sind und zusätzlich noch staatliche Mittel abkassieren. Mit der Realität in Deutschland hat das überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil: Unsere Universitäten sind sozial durchlässiger geworden. Nahmen 2005 noch 36 Prozent eines Jahrgangs das Studium auf, waren es im Jahr 2009 schon 43 Prozent.
Annette Schavan   Annette Schavan
Das Fundament dafür hat der Bund mit Unterstützung der Länder gelegt: mit einer besseren Ausstattung des Bafög. Mit inzwischen mehr als 73.000 über die KfW-Bank vergebenen Bildungsdarlehen. Auch mit dem Programm Aufstiegsstipendien haben wir große Fortschritte in Sachen Bildungsgerechtigkeit gemacht. In Zeiten eines scharfen demografischen Wandels ist es wichtig, das Bildungssystem durchlässig zu gestalten und möglichst viele Jugendliche an die Hochschulen zu bringen. Die geplante Erhöhung der Bedarfssätze und Freibeträge beim Bafög könnte den Kreis der Förderberechtigten um weitere 60.000 erweitern.
Zu einer Öffnung der Universitäten in der Breite gehört aber auch eine Förderung der Spitze. Als rohstoffarmes Land verdanken wir unseren Wohlstand einer großen Zahl von Fachkräften ebenso wie dem Erfindungsreichtum exzellenter Studentinnen und Studenten, die in ihrem Fachgebiet Herausragendes vollbringen. Das nationale Stipendienprogramm will diese Talente unterstützen und ermutigen. Das Stipendium beträgt 300 Euro im Monat und wird nicht auf das Bafög angerechnet. Der neue Ansatz liegt darin, dass private Fördermittel von Wirtschaft, Stiftungen oder Einzelpersonen den Grundstock der Finanzierung bilden. Bund und Länder stocken den Betrag nach dem vom Bundestag verabschiedeten Gesetz im Verhältnis 1:1 um staatliche Mittel auf.
Für dieses Stipendienprogramm wird es höchste Zeit. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland, was den Anteil von geförderten Studenten angeht, weit zurück. Nur ein Prozent aller Studierenden wird von den Begabtenförderungswerken unterstützt, ein weiteres Prozent durch private Stipendien. Auch beim Anteil privater Mittel an der Finanzierung des Bildungssystems schneidet Deutschland schwach ab. Mit 15 Prozent liegt er weit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder, der 27,4 Prozent beträgt. Die USA, Japan und Korea - wichtige Wettbewerber um die besten Köpfe - schöpfen mehr als zwei Drittel ihrer Bildungsbudgets aus privaten Quellen.

Teil 2: Förderung einer Leistungselite

  • FTD.de, 09.07.2010
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Kommentare
  • 12.07.2010 09:24:01 Uhr   Thomas Müller: @Florian

    Ich bin nicht sicher, ob jeder hier die feine Ironie Ihres Beitrags verstanden hat.

  • 11.07.2010 01:14:51 Uhr   Florian: Frau Schavan ist eine ausgezeichnete Bildungs...
  • 09.07.2010 22:37:22 Uhr   Autonomos: Plädoyer für Hans Knickebein
  • 09.07.2010 17:02:20 Uhr   Morgensonne: Klassenkampf von oben
  • 09.07.2010 14:26:19 Uhr   Schawn: Klassenkampf ist auch Bildungssache
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