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Merken   Drucken   12.06.2012, 16:55 Schriftgröße: AAA

Handyverbot nach Feierabend: Von der Leyen fordert Funkstille nach der Arbeit

Ständige Erreichbarkeit nach der Arbeitszeit ist für viele Arbeitnehmer stressig. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen verlangt besseren Schutz vor den Belastungen und fordert damit die Betriebe auf, klare Regeln zu setzen.
© Bild: 2011 Reuters/THOMAS PETER
Ständige Erreichbarkeit nach der Arbeitszeit ist für viele Arbeitnehmer stressig. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen verlangt besseren Schutz vor den Belastungen und fordert damit die Betriebe auf, klare Regeln zu setzen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fordert eine deutliche Trennung von Arbeit und Freizeit. "Es muss ganz klare Regeln innerhalb eines Betriebes geben was Handykultur, Mailverkehr angeht. Diese Regeln müssen vom Arbeitgeber gesetzt werden, aber auch von den Beschäftigten gelebt werden", sagte sie am Dienstag in Berlin. So wie es Bauhelme gebe, müsse es auch psychischen Arbeitsschutz geben. "In der Freizeit sollte Funkstille herrschen", forderte von der Leyen.

Das Problem ist nicht neu. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps - diese Volksweisheit gilt längst nicht mehr für alle Arbeitnehmer. 88 Prozent der Berufstätigen sind einer Bitkom Umfrage des IT-Branchenverbandes vom vergangenen Sommer zufolge auch außerhalb ihrer Arbeitszeit per Handy oder E-Mail erreichbar.

Die ersten Unternehmen reagierten bereits: Der Betriebsrat von Volkswagen  hat für die VW-Beschäftigten Ende 2011 eine "Blackberry-Pause" nach Feierabend durchgesetzt. "Aus der Belegschaft und vom Unternehmen selbst kommen nur positive Reaktionen", sagt der Konzernbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh.

"Kein Arbeitnehmer ist verpflichtet, mehr zu leisten, als er vertraglich schuldet. Umgekehrt gilt aber auch: Engagement und Leistungsbereitschaft sollten nicht zwangsweise eingeschränkt werden", heißt es in einer Stellungnahme der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Es stehe jedem Unternehmen frei, Näheres in Dienstanweisungen oder Betriebsvereinbarungen zu regeln", sagte ein BDA-Sprecher.

Ein Verdi-Sprecher sagte, der Drang zur ständigen Erreichbarkeit sei "eine ambivalente Entscheidung". In manchen Unternehmen seien die Anforderungen gegeben, einige Arbeitnehmer setzten sich aber auch selbst unter Druck. "Es ist eine stillschweigende Erwartung, die mit dieser Technik weitergereicht wird", sagte der Verdi-Sprecher. Die Unternehmen dürften aber ihre Fürsorgepflicht für die Beschäftigten nicht vergessen. Auch E-Mails zu schreiben sei Arbeitszeit - würde diese vergütet oder gesondert angerechnet, würden laut des Verdi-Sprechers auch die Unternehmen genauer darauf achten, dass damit kein Schindluder getrieben werde.

Auch die IG Metall würde strengere Regeln begrüßen. "Frau von der Leyen kann sich nicht aus ihrer eigenen Verantwortung stehlen, selbst für klare und verbindliche Regeln im Arbeitsschutz zu sorgen. Schlichte Appelle an die Arbeitgeber reichen nicht", sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Nicht für jeden stressig

Im Mittelstand weiß man um die Problematik. "Beim Thema betriebliche Gesundheitsförderung haben viele Mittelständler noch Nachholbedarf. Es dient der Gesundheit, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Arbeitsende im wahrsten Sinne des Wortes abschalten", wird der Präsident der Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, zitiert. Eine Ausnahme seien leitende Mitarbeiter, die auch in ihrer Freizeit im Notfall erreichbar sein müssten.

Wirtschaftspsychologe Alexander Cisik weist darauf hin, dass die Erreichbarkeit nicht jeden stresst: "Ich würde nicht grundsätzlich sagen, dass eine permanente Erreichbarkeit krank machen kann." Wenn man auf eine dringende Nachricht warte, könne man sein Informationsbedürfnis ad hoc stillen. "Wenn aber der Arbeitgeber wissentlich oder eher unterschwellig seine Mitarbeiter nachts oder auch am Wochenende kontaktiert, dann entsteht daraus natürlich eine Drucksituation", sagt der Experte. Deshalb müssten Führungskräfte und Mitarbeiter klare Regeln aufstellen.

  • dpa, 12.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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