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Merken   Drucken   09.11.2011, 16:17 Schriftgröße: AAA

Iran und Deutschland: "Wir sind wie Wasser - wir finden immer einen Weg"

Iranische und deutsche Unternehmen wollen in Berlin aus der Sanktionsfalle heraus. Zur großen Freude des Botschafters aus Teheran. von Silke Mertins, Berlin
Sahra Dschalilsani hält nicht viel von chinesischen und indischen Druckmaschinen. Viel lieber ließe sie sich aus Deutschland beliefern. "Bei Druckmaschinen denkt doch jeder sofort an deutsche Technik", sagt die iranische Unternehmerin aus Teheran. "Wenn man deutsche Maschinen hat, verbessert sich sofort die Auftragslage." Doch die Sanktionen machen Einfuhren aus Europa derzeit fast unmöglich. Nicht weil Druckmaschinen unter das Sanktionsregime fallen würden. Auch bei legalen und genehmigten Ausfuhren finden deutsche Exporteure jedoch kaum noch eine Bank, die Zahlungen aus dem Iran annimmt - aus Angst vor Imageschäden und Geschäftsnachteilen in den USA, wo ein nahezu vollständiges Embargo gegen den Iran in Kraft ist.
Dschalilsani ist deshalb der Einladung zu einem deutsch-iranischen Wirtschaftskongress für Unternehmerinnen am Dienstag in Berlin gefolgt, um für die Majlesi Trading Company, die mittelständische Druckerei ihrer Familie, einen Weg aus der Sanktionsfalle zu suchen. Und tatsächlich: Der Organisator der Konferenz, Mir Durandish, Chef der Firma European-Iranian Ventures (Eivent), rät dringend dazu, seine Dienste in Anspruch zu nehmen: "Ich habe Kontakt zu deutschen Banken, die genehmigte Iran-Geschäfte abwickeln", sagt er. Die Geldinstitute wollten dies aber nicht an die große Glocke hängen. Ist schlecht fürs Geschäft. "In 99 Prozent der Fälle habe ich Erfolg. In ein bis zwei Wochen ist die Zahlung erledigt", verspricht er.
Unerwünschte Geschäfte: Deutscher Handel mit dem Iran   Unerwünschte Geschäfte: Deutscher Handel mit dem Iran
Der iranische Botschafter in Berlin, Aliresa Scheich Attar, blickt zufrieden in den Konferenzsaal des Seminaris Campus Hotels im idyllischen Berlin-Dahlem. Das Outfit der meisten Damen vor ihm entspricht zwar nicht den Vorstellungen des iranischen Regimes von sittsamer Kleidung. Ziemlich bunt und knapp sind die Kopftücher der Iranerinnen gehalten, und mit Absatz und Lippenstift wird auch nicht gespart. Doch dass überhaupt wieder ein deutsch-iranischer Wirtschaftskongress in Berlin stattfindet, ist an sich schon ein Erfolg.
Seit Bundeskanzlerin Angela Merkel Geschäfte mit dem Iran ausdrücklich "entmutigt" - und zwar auch solche, die nicht gegen Sanktionen verstoßen -, ist das Handelsvolumen dramatisch gesunken. Die noch vor wenigen Jahren von Berlin so gehätschelten und mit Hermes-Bürgschaften flankierten Wirtschaftsbeziehungen sind zum Schmuddelgeschäft geworden. Vor dem Hotel protestiert die Anti-Iran-Initiative Stop the Bomb gegen "die skrupellosen Geschäftsinteressen des deutschen Mittelstands". All das ärgert die Iraner.
"Diese Politik wird der deutschen Wirtschaft schaden, besonders in der gegenwärtigen Krise", so Botschafter Attar. "Der Iran ist ein wichtiger und wachsender Markt." Die deutschen Produkte seien zwar qualitativ besser, "aber es ist ein Fehler zu glauben, dass wir deswegen unsere Positionen ändern oder unser Recht auf ein Atomprogramm aufgeben". Schließlich gebe es "so viele andere Länder, mit denen wir Geschäfte machen können".
Alle iranischen Unternehmerinnen berichten, dass sie derzeit auf asiatische, vor allem chinesische Produkte ausweichen. Statt in Deutschland habe ihr Sohn nun ein Büro in China eröffnet, ärgert sich die Druckerei-Betreiberin Dschalilsani. Wer jedoch bereits Maschinen aus Deutschland hat und Ersatzteile braucht, hat kaum Alternativen. "Wir sind wie Wasser", sagt die Unternehmensberaterin Jalda Rahdar aus Schiras, "wir finden immer einen Weg."
  • FTD.de, 09.11.2011
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