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Merken   Drucken   19.08.2012, 19:51 Schriftgröße: AAA

Kandidatensuche: Grüne brauchen Jungbrunnen

Die Grünen sind schon vor langer Zeit zu einer etablierten Partei aufgestiegen. Und haben jetzt das gleiche Problem wie die anderen: Die immer gleichen Spitzenkandidaten rangeln um die hohen Posten.
© Bild: 2012 dpa-Bildfunk/Jens Büttner
Leitartikel Die Grünen sind schon vor langer Zeit zu einer etablierten Partei aufgestiegen. Und haben jetzt das gleiche Problem wie die anderen: Die immer gleichen Spitzenkandidaten rangeln um die hohen Posten.

Die Grünen sind heute so, wie sie nie werden wollten. Keiner der Altgedienten kann von der Macht lassen, alle sind sie entschlossen, sich im internen Gerangel um Posten und Einfluss zu behaupten. Und so kommt es, dass zur Bundestagswahl 2013 maßgeblich jene Leute um eine Spitzenkandidatur streiten, die einst schon gegen Helmut Kohl kämpften.

Jürgen Trittin, Jahrgang 54, Claudia Roth, Jahrgang 55, Renate Künast, Jahrgang 55. Politdinosaurier. Genauso archaisch wirkt das Proporzdenken. Links und Realo, Mann und Frau - kommen dann noch persönliche Animositäten dazu, gerät die Personalauswahl zu einer unerquicklichen Beschäftigung mit sich selbst, wie sie sich die Grünen seit Monaten leisten und voraussichtlich auch weiter leisten werden.

Eigentlich müsste für die Grünen endlich ein neues Kreidezeitalter anbrechen. Eine erdgeschichtliche Periode des Übergangs, an deren Ende die Dinosaurier nurmehr in Nachschlagewerken zu finden sind. Die Chance dazu hätten sie jetzt - bei einer Urwahl.

Nicht zuletzt dank der Kandidatur von Katrin Göring-Eckardt dürfen diesmal die Mitglieder entscheiden, welches Duo der Partei im Bundestagswahlkampf Gesicht verleiht. Die Bundestagsvizepräsidentin wäre mit 46 Jahren in der Tat eine Politikerin, die für Verjüngung sorgen und die Grünen für neue Wählerschichten öffnen könnte. Allerdings hat Göring-Eckardt, die auch Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, bei einer Urwahl kaum eine Chance. Jürgen Trittin, flügelübergreifend akzeptiert, bewährt sich als Finanzfachmann und gilt als gesetzt. Claudia Roth genießt als Traditionslinke viel Sympathien an der Basis. Und selbst Renate Künast, die bei der Wahl zum Berliner Senat böse abstürzte, kann Roth noch eher gefährlich werden als Göring-Eckardt.

Darum plädiert Göring-Eckardt dafür, statt eines Führungsduos ein Team aus mehreren Spitzenpolitikern zu formieren. Nun hat es was für sich, wenn der baden-württembergische Regierungschef Winfried Kretschmann sagt, schon zwei Spitzenkandidaten seien einer zu viel. Wer aber vor 2017, der nächsten Bundestagswahl, die allfällige Erneuerung einleiten will, müsste ein personelles Kleeblatt präsentieren.

Fähige Politiker jüngeren Alters haben die Grünen durchaus in ihren Reihen: in Hessen Tarek Al-Wazir, im Südwesten Boris Palmer, in Sachsen Antje Hermenau oder in Nordrhein-Westfalen Sylvia Löhrmann. Alle bekleiden sie ein Amt, in dem es etwas zu gestalten gibt. Deshalb scheuen sie sich, es aufs Spiel zu setzen und einzutauschen gegen eine ungewisse Karriere und die Tretmühle der Partei. Indem sie so mutlos agieren, gleichen sie den Dinosauriern, die an ihren Posten so hängen, dass sie sie am liebsten nie mehr hergeben möchten.

  • Aus der FTD vom 20.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 19.08.2012 22:44:14 Uhr   grünwählerinspe: Jungbrunnen bei den Grünen...

    Die Grünen erkennen ja nun hoffentlich bei ihrem aufkeimenden Verjüngungsprozess, daß die liegengebliebenen Reformen nunmehr endlich umgesetzt werden müssen:
    Machen wir nun endlich mal den Anfang mit den überfälligen Reformen, die Frau Merkel vor der Wahl versprochen hat und misten flächendeckend die ca. 50% überflüssigen Beamten im Staat aus ! Allein die Entrümpelung der Steuergesetzgebung würde 80% der Finanzbeamten überflüssig machen. Die überfälligen Strukturreformen sind in allen Bereichen notwendig. Der ganze aufgeblähte Beamtenapparat kostet jährlich mehr als 150 Milliarden EUR. Halbieren wir diesen Saftladen, dann können wir endlich mal Staatsschulden abbauen statt diese "Edel - Hartz-4 - Empfänger" weiter mit unseren Steuergeldern durchzufüttern ! Mit den jährlich gesparten 70 Milliarden EUR können wir dann auch die überfälligen Infrastruktur- Maßnahmen finanzieren:
    -- 20 Mia EUR für den Ausbau der Energienetzwerke zur Umsetzung der Energiewende
    -- 20 Mia EUR für den Ausbau der Autobahnen nach dem Dringlichkeitsplan des Verkehrsministers
    -- 30 Mia EUR zum Abbau von deutschen Staatsschulden
    Nur so kann endlich wieder Wachstum entstehen und zukunftsorientiert in Deutschland gewirtschaftet werden….

  • 19.08.2012 19:47:31 Uhr   elfi: Ernstzunehmende Bedrohung
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