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Merken   Drucken   22.09.2009, 23:16 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Münchau - Koalitionsmarkt versagt  

Die Ausschlussstrategie der kleinen Parteien ist nachvollziehbar - die der SPD dagegen nicht. Sie verbaut sich den Weg zu einer Ampelkoalition. Damit reduziert sich die Anzahl der realistischen Konstellationen auf zwei. von Wolfgang Münchau 
Die ökonomische Sichtweise ist in der Politik nicht immer hilfreich. Um aber Koalitionsstrategien vor einer Wahl zu verstehen, kann man mit einem simplen spieltheoretischen Modell das Verhalten der Parteien besser beschreiben als mit dem ganzen Politgebrabbel, mit dem man momentan überhäuft wird.
Die kategorische Absage der FDP an eine Ampelkoalition am vergangenen Wochenende hat viele Beobachter überrascht. Aus spieltheoretischer Sicht ist sie aber nicht nur logisch, sondern sogar ohne Alternative. Es ist genau so gekommen, wie ich es vor einigen Jahren vorausgesagt habe. Die kleinen Parteien maximieren ihren Wähleranteil dadurch, dass sie die jeweils ungewünschte Koalition für sich vor der Wahl kategorisch ausschließen. Jetzt braucht kein FDP-Wähler mehr Angst zu haben, dass seine Stimme als Steigbügelhalter rot-grüner Politik missbraucht wird. Und umkehrt weiß auch jeder grüne Wähler, dass er gegen Angela Merkel votiert.
Dadurch, dass die SPD ebenso formell eine rot-rot-grüne Koalition ausgeschlossen hat, reduziert sich die Möglichkeit der realistischen Konstellationen auf zwei. In beiden Fällen bleibt Angela Merkel Bundeskanzlerin, zumindest vorläufig.

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  • Aus der FTD vom 23.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 23.09.2009 16:45:05 Uhr   paul: koalitionsmarkt versagt

    Herr Muenchau: Ihre Analyse ist . Ich hatte 2005 die grosse Koalition vorhergesagt, und in der Tat ist eine Fortsetzung problematisch und beguenstigt die kleineren Parteien. Bunte Konstellationen haben sich schon auf Laenderebene gebildet
    1968 bei der letzten voellig verfahrenen grossen Koalition entwickelte sich eine ausserparlamentarische Opposition, die dann in der RAF muendete, und die Demokratie der BR in eine Krise stuerzte. Dieses Mal profitieren die kleinen Parteien im Parlament, wegen der zunehmenden Waehlertraegheit ist allerdings schwer vorherzusagen, wer den groesseren Vorteil hat, vermutlich wohl doch die Union aufgrund des Wahlsystems.
    Die FDP hat sich aus rein taktischen Gruenden fuer eine ausschliessliche Koalition mit der Union ausgesprochen.
    Problematisch sind meiner Meinung nach aber die Ueberhangmandate, denn in der Tat wird das komplizierte Zweistimmensystem zum ersten Mal in der Geschichte der BR seine schwache Seite zeigen. Das Verfassungsgericht hat dieses auch erkannt, aber mit erheblicher Verspaetung. DIes wiederum kann das Vertrauen der Waehlerschaft in das politische System abschwaechen.

  • 23.09.2009 11:07:01 Uhr   Strichnid: GK auf Abruf?
  • 23.09.2009 08:26:16 Uhr   Reinhard G. Wagner: Genialer Artikel, vielen Dank
  • 23.09.2009 01:03:04 Uhr   demokrat: Koalitionsmarkt versagt
  • 22.09.2009 22:28:17 Uhr   Thorsten Cmiel: Wenn oder falls?
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