FTD.de » Politik » Deutschland » Wolfgang Münchau - Irrtümer der Sparsamkeit

Merken   Drucken   09.06.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau - Irrtümer der Sparsamkeit  

Die Konsolidierung der Staatsfinanzen genießt erste Priorität. Für diesen Zweck verabschiedet die Bundesregierung ein Sparpaket - und verfehlt damit das Thema. Sie sollte für Wachstum sorgen, doch davon hört man nichts. von Wolfgang Münchau 
Es ist schon erstaunlich, dass die einzige kreative Kraft der deutschen Politik im Sparen liegt. Auf nichts anderes konnte sich die Koalition bislang einigen, lediglich darauf, Empfängern von Hartz IV die Bezüge zu kürzen, noch mehr im öffentlichen Sektor einzusparen und hier und da ein paar Steuervorteile einzukassieren.
Die Panik an den Finanzmärkten hat diese Sparwelle angetrieben. Die interessante Frage ist, warum diese Sparwut die Finanzmärkte nun gar nicht besänftigt. Im Gegenteil: An dem Tag, an dem die Bundesregierung stolz ihr 80-Mrd.-Euro-Paket präsentierte, vergrößerten sich die Zinsspannen im Euro-Raum weiter. Warum reagieren die Märkte auf die Sparpakete so skeptisch?
Der Grund ist, dass die Märkte den Euro-Raum als Ganzes sehen und die Regierungen so tun, als hätten ihre Entscheidungen keine Auswirkungen auf den Rest des Währungsgebiets. Die Märkte sehen, dass die Euro-Zone mit einem synchronen Sparprogramm auch 2011 kaum wachsen wird. Und die Erfahrung zeigt, dass echter Schuldenabbau ohne Wachstum nicht funktioniert. In Italien und Spanien bestehen die Konjunkturprogramme zum großen Teil aus Steuererhöhungen. Auch wenn man wie in Italien lediglich die Steuerhinterziehung bekämpft, ändert das nichts daran, dass es sich ökonomisch um eine Steuererhöhung handelt.

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  • Aus der FTD vom 09.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 15.06.2010 22:08:46 Uhr   hdh: Ergänzung zu vox p.

    Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Das immer wieder kolportierte Märchen vom Reichen, der die Steuerwelt in D am Laufen hält. Hier ein paar Zahlen.
    Das gesamte Steueraufkommen von 2009 (ohne Gemeindesteuern) lag bei 485 Mrd Euro, Einkommenssteuer 41 %. Knapp 11 % des gesamten Steueraufkommens enfielen auf veranlagte Einkommenssteuer, nicht veranlagte Einkommenssteuer und Zinsabschlagsteuer, also Steuern die ganz überwiegend bei den höheren Einkommensklassen erhoben werden. Der Löwenanteil aller Steuern entfällt auf die Umsatzsteuer und die Verbrauchssteuern.

    Auch das angebliche Sozialparadies im internationalen Vergleich existiert nicht. Die Chuzpe geht so weit sich einfach mit China zu vergleichen und zu behaupten in D wäre das Paradies ausgebrochen. Meister in dieser Art von Lügen ist die Bildzeitung und natürlich der Vizekanzler. Methode Apfel mit Birnen zu vergleichen, und zu behaupten, die Kirschen seien Heuer besonders sauer! Dieser Unsinn wird auch noch geglaubt! Verglichen mit den westeuropäischen Partnern wurden die Sozialleistungen pro Kopf mit nur 0,7 % seit dem Jahr 2000 nirgendwo so gering angehoben wie in Deutschland. Die Sozialschutzleistungen pro Kopf in Euro sind in Deutschland ebenfalls so ziemlich am unteren Ende (Quelle: Eurostat, OECD).

    Wer, wie unsere Herrscherklasse, schon zu Lügen und Märchen greifen muss, um ihre (Un)Taten zu rechtfertigen, der beweist tagtäglich, dass sein Konzept gescheitert ist!

  • 15.06.2010 00:00:55 Uhr   VOX POPULI: DEMOKRATIE im ZEITWANDEL (Teil 1 von 2)
  • 14.06.2010 23:55:53 Uhr   VOX POPULI: DEMOKRATIE im ZEITWANDEL (Teil 2 von 2)
  • 14.06.2010 17:15:32 Uhr   suisun: @Münchau
  • 14.06.2010 12:35:49 Uhr   Pro-Europa & Anti-EU: 8 Milliarden in die Ashtonne
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