Heinz Fromm ist ein anerkannter Fachmann, der leise und uneitel seinen Job erledigt. Keiner, den es auf die große Bühne zieht. Im Gegenteil: Der Chef des Verfassungsschutzes verhält sich als Behördenleiter wie ein guter Agent: unaufällig. Wenn er auf Sommerfesten oder bei der Feier zur Grundsteinlegung der neuen BND-Zentrale auftaucht, bleibt er meist unerkannt - was ihm sicher ganz recht ist.
Doch nun steht er unter Druck, er muss raus der Deckung. Die Vorgänge um das mutmassliche Mördertrio aus Jena zerren ihn und seine Behörde an die Öffentlichkeit. Die drei gehörten dem "Thüringer Heimatschutz" an, einem Neonazi-Trupp. Der Kopf dieser Neonazi-Kameradschaft, die angeblich inzwischen nicht mehr aktiv ist, war ein V-Mann des Verfassungsschutzes.
Eine Verbindung, die viele Fragen aufwirft. Fragen, die Heinz Fromm nun fundiert beantworten muss. Ausgerechnet er, in dessen jährlichen Berichten zur Gefahr durch den Extremismus stets stand: Rechtsterroristische Strukturen seien in Deutschland derzeit nicht erkennbar. Schon wieder gibt es Ärger mit den V-Leuten. Denn schon im Jahr 2003 wurde während seiner Amtszeit ein Verbotsverfahren gegen die NPD vom Bundesverfassungsgericht eingestellt, nachdem bekannt geworden war, dass die NPD mit V-Leuten des Verfassungsschutzes durchsetzt war.
Es wird wohl Fromms letztes großes Gefecht werden vor seinem längst geplanten Abgang. Im Sommer 2013 soll der 63-Jährige in den Ruhestand gehen, vielleicht schon eher. Der große Personalwechsel bei den Sicherheitsbehörden ist gerade angelaufen: Nach BND-Chef Ernst Uhrlau, der zum Jahreswechsel seinen Posten räumt, folgt BKA-Chef Jörg Ziercke. Fromm ist der letzte aus der Riege der Männer, die auf die Deutschen aufpassen sollen, der dann die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 richteten sie die Arbeit ihrer Behörden in wesentlichen Teilen auf die so genannte asymmetrische Bedrohung durch agil und autonom operierende Terroristen aus. Ihre Agenten, Polizisten und Bundesanwälte haben die Bewährungsprobe bislang bestanden.
Nach einem ruhigen, unauffälligen Abgang nach einer langen Beamtenkarriere sieht es für Fromm, der als Initiator der Fernmeldeverkehr-Überwachungs-Verordnung gilt, dem Vorgänger der Telekommunikations-Überwachungsverordnung, im Moment aber nicht aus.
Teil 2: Keine besonders brilliante Behörde