Allerdings ist das Einsparpotenzial hoch: "Was im Moment über die Weltmeere fährt, ist energetisch suboptimal", sagte Stefan Krüger, der Leiter des Instituts für Entwerfen von Schiffen und Schiffssicherheit an der TU Hamburg-Harburg. Und es geht nicht nur um CO2: Das für Schiffe verwendete Schweröl ist eine Art Abfallprodukt der Raffinerien. Es ist billig, doch bei der Verbrennung werden giftiger Schwefel, Stickoxide und Rußpartikel frei.
Darum wächst der Druck, nach alternativen Treibstoffen zu suchen, etwa Erdgas, das deutlich schadstoffärmer verbrennt. Der finnische Motorenhersteller Wärtsilä hat am Freitag den ersten Auftrag bekommen, einen Tanker auf den Antrieb mit LNG umzurüsten, dem verflüssigten Erdgas. Neben LNG, das eine komplexe Tankinfrastruktur erfordert, setzt die Branche auch auf Schiffsdiesel.
"Es gibt eine unendliche Palette von technischen Maßnahmen, die den Schadstoffausstoß von Schiffen verbessern", sagte Krüger. "Die besten und billigsten finden direkt beim Bau des Schiffes statt." Allein durch einen besser auf die Strömung ausgerichteten Rumpf ließen sich rund 30 Prozent Treibstoff sparen. Auf der SMM werden noch Hunderte andere Ideen präsentiert: Eine Waschanlage, die Schwefel aus dem Abgas entfernt, Aufbauten, die weniger Windwiderstand haben, reibungsarme Speziallacke oder IT-Systeme, die den Stromverbrauch an Bord intelligenter steuern. "All das kostet viel Geld", sagte Krüger. Eine neue spritsparende Turbine koste etwa rund 1 Mio. Euro und rechne sich erst nach zehn Jahren.
Noch warten die Reeder ab mit solchen Umbauten, sagt Werner Lundt vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik. Derzeit fehle den Schiffseignern schlicht das Geld. Langfristig hoffen europäische Werften aber auf neues Geschäft mit der Umweltschutz-Hochtechnologie. "Wir glauben, dass uns Technik zum Umweltschutz einen deutlichen Vorteil gegenüber Fernost verschaffen wird." Doch die europäischen Werften hätten den Trend verschlafen, kritisieren Branchenexperten. „Die europäischen Zulieferer werden profitieren“, sagte Höppner. „Aber die neuen Teile werden in China oder Korea eingebaut.“