Roland Berger, Thomas Middelhoff und Carsten Maschmeyer haben eines gemeinsam: Sie alle sind an dem Solarzulieferer AEG Power Solutions beteiligt. Ihre Anteile machen sie nun zu Geld - das lohnt sich besonders für Maschmeyer.
von Kathrin WernerHamburg
Die illustre Gruppe um den Finanzinvestor Ripplewood, Beraterlegende Roland Berger, Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und den Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer macht ihre gemeinsame Beteiligung zu Geld. Der Finanzinvestor Nordic Capital kauft den Solarzulieferer AEG Power Solutions (PS) für 4,35 Euro pro Aktie oder rund 218 Mio. Euro - ein Aufschlag von 37 Prozent auf den Börsenkurs vom Vorabend.
Carsten Maschmeyer und Veronika Ferres
Besonders lohnend ist der Verkauf für Carsten Maschmeyer. Der Finanzunternehmer hat erst vor gut drei Wochen bei AEG PS auf 5,1 Prozent aufgestockt. Die ersten Aktien hat er nach eigenen Angaben Anfang August 2011 für 4,10 Euro gekauft. Vom geplanten Verkauf an Nordic Capital habe er am 7. Februar erfahren - also nach seinem neuerlichen Aktienzukauf Ende Januar, ließ er mitteilen. Ihm sei aber bekannt gewesen, dass Ripplewood seinen verbliebenen Anteil von knapp 30 Prozent verkaufen will. Der Investorenprozess läuft nach FTD-Informationen seit Sommer. Ende Januar war Maschmeyers Aktienpaket rund 7,5 Mio. Euro wert. Verkauft er zum vereinbarten Preis an Nordic Capital, erhält er rund 11 Mio. Euro.
Thomas Middelhoff
AEG Power Solutions hat eine spannende Geschichte: Das Energietechnikunternehmen - einer der wenigen Überreste des untergegangen Traditionskonzerns AEG - ist mit einem bis dato in Deutschland einmaligen Konstrukt an der Börse gelandet. Berger, Middelhoff und der Ex-Investmentbanker Florian Lahnstein haben eine so genannte Special Purpose Acquisition Company (Spac) gegründet, einen leeren Börsenmantel. 2009 kauften sie dem Finanzinvestor Ripplewood für 200 Mio. Euro in bar und 192 Mio. Euro in Aktien die Mehrheit an AEG PS ab und stülpten dem Unternehmen den Mantel über. So landete der Mittelständler aus dem westfälischen Belecke über Nacht auf dem Parkett. Berger und Middelhoff halten noch 8,2 Prozent beziehungsweise 2,7 Prozent. Zwar wächst das hoch verschuldete Unternehmen beständig - allerdings dümpelte der Aktienkurs monatelang bei 3 bis 4 Euro, das Papier wurde kaum gehandelt. Nach Bekanntwerden des Verkaufs stieg er am Mittwoch um 35 Prozent.
Der Finanzinvestor Nordic Capital konzentriert sich auf Nordeuropa und den deutschsprachigen Raum. In der deutschen Erneuerbare-Energien-Branche ist er durch den Kauf des Solarwaferherstellers SIC Processing bekannt. Nordic will AEG PS ganz kaufen und von der Börse nehmen. 65 Prozent der Aktionäre seien schon auf das Angebot eingegangen, hieß es bei AEG PS. Allerdings kommt die Transaktion nur zustande, wenn die Skandinavier auf mehr als 95 Prozent kommen. "Ich zweifele, ob das klappt, der Preis ist recht niedrig", sagte Ingo Queiser vom Analysehaus Natureo Finance. AEG PS sei an der Börse unterbewertet. Betrachte man Wachstumschancen und Gewinn, sei ein höherer Betrag angemessen. Viele Aktionäre sind zudem schon lange dabei und zu höheren Preisen eingestiegen.
AEG PS liefert vor allem der Solarindustrie zu. Das Unternehmen baut Wechselrichter, die den Gleichstrom, den die Solarmodule erzeugen, in Wechselstrom umwandeln, sowie Geräte, die bei der Herstellung von Silizium für Solarzellen den Stromfluss regulieren. 2011 blieb damit bei 428,2 Mio. Euro Umsatz ein Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 53,1 Mio. Euro.
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