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Merken   Drucken   14.02.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

Gescheiterte Revolution: Energiesparclub als Rohrkrepierer

Mit seinem Energiesparklub wollte Ex-Premiere-Chef Kofler die Verbraucher mobilisieren - doch die machten nicht mit.
von Düsseldorf

Verzückte Mienen, Gospelgesänge und ein charismatischer Einpeitscher nach Art evangelikaler Prediger im US-Fernsehen - der Kofler Energies Club trägt gern dick auf in seinen TV-Werbespots. Der Einpeitscher verheißt zwar nicht gleich das ewige Leben, aber eben auch nicht weniger als eine "Energierevolution". Die Erlösung vom Preisdiktat der Energiekonzerne. Zum Start des Energiesparklubs tönt Club-Chef Peter Vest: "Das ist das erste Servicekonzept, das Einsparungen garantiert und nicht nur verspricht." 1000 Euro in zwei Jahren seien drin.

Das Logo des Energiesparklubs von Georg Kofler erinnert an ...   Das Logo des Energiesparklubs von Georg Kofler erinnert an sozialistische Propaganda - die Verbraucher trauten dem nicht

Doch diese Verheißung bleibt fürs Erste unerfüllt. Der Club musste letzten Freitag schließen, nach gerade einmal vier Monaten. Vest geht, und Firmengründer Georg Kofler  gesteht kleinlaut ein: "Der Kofler Energies Club hat den realen Markttest nicht bestanden." Das Bombardement mit TV- und Kinospots ist am Publikum ebenso abgeprallt wie der orange lackierten Werbetruck, der durchs Land gefahren ist. Die Beitrittszahlen müssen katastrophal gewesen sein.

Fragt man Kofler danach, gibt er sich schmallippig: "Leider zu wenig." Was für die Werbeausgaben nicht gelte: "Leider zu viel." Das Bedauern dürfte von Herzen kommen. Denn der ehemalige Chef des Bezahlsenders Premiere (heute Sky ) und Erfinder des Shoppingkanals Hot hat einen Großteil seines auf gut 100 Mio. Euro geschätzten Vermögens in den Energiesparklub gesteckt - das ihm der Verkauf seiner Anteile am Sender einbrachte. Dort war es das Geld der Aktionäre, das er verheizte. Ärger machen dem Österreich Vorwürfe aus seiner Zeit als TV-Manager dennoch. Staatsanwälte ermitteln wegen angeblich geschönter Abonnentenzahlen bei Premiere, Kleinaktionäre klagen.

Wie einst das Bezahlfernsehen so kann für Kofler anfangs auch sein Energieprojekt gar nicht umwälzend genug sein. Eine "Jahrhundertchance" sei das, und das Pioniergefühl, die Aufbaueuphorie, die sei wie die Anfangszeit des Privatfernsehens - nur noch besser. Kofler will einen "ADAC der deutschen Energiesparer", plant mit einer Million Mitgliedern nach zwei Jahren. Er träumt laut vom Milliardenumsatz, einem Börsengang womöglich schon in einem Jahr.

Doch wie beim Bezahlfernsehen erweisen sich seine Erwartungen auch hier als ein paar Nummern zu optimistisch. Dabei gilt das Geschäftsmodell der eingesparten Kilowattstunden als plausibel - zumindest in der Theorie. Energieeffizienz ist auf Jahre hinaus ein Megathema. Die Unternehmensberatung Roland Berger schätzt das Marktvolumen für Energieeffizienz in Deutschland auf 70 Mrd. Euro, weltweit gar auf 600 Mrd. Euro. Selbst chronisch misstrauische Verbraucherschützer begrüßen Koflers Grundidee, Privathaushalten gegen einen Festbetrag standardisiertes Know-how und günstigere Möglichkeiten zum Energieeinkauf zu bieten.

Der Privatkunde aber traut offenbar dem eigenen Sparpotenzial noch nicht recht. Koflers Versprechen, die Jahresgebühr von 75 Euro für die Clubmitgliedschaft durch Ersparnisse von durchschnittlich 500 Euro locker wieder rauszuholen, verfängt bei Verbrauchern nicht.

Bei Industrie- und Firmenkunden kommt Koflers Idee an: Der Umsatz der Geschäftskundensparte macht 2010 einen Sprung von 30 Prozent auf 160 Mio. Euro. Sie wird auch ohne den Club weiterbestehen. Doch in diesem Segment tummeln sich viele: Spezialisten und Konzerne wie Eon , RWE  oder Siemens . Kofler träumte von einer mächtigen Idee zur rechten Zeit. Geblieben ist ein Mittelständler in einem schwer umkämpften Markt.

  • Aus der FTD vom 14.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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