Vielflieger, besonders in der Economy-Klasse, wissen: Die Snacks und Speisen an Bord sind selten schmackhaft, und mit den Getränken knausern die Fluggesellschaften bisweilen. Die meisten Airlines, und hier vor allem die Billiganbieter, sehen in diesem Service nur eines: Kosten. Das Geschäft mit der Bordverpflegung ist ein knallharter Wettbewerb, die Margen sind dünn. Zumal es hier weltweite Überkapazitäten gibt. Der geplante Verkauf des globalen Marktführers LSG Sky Chefs dürfte die gesamte Branche aufmischen.
Noch steht nicht fest, an wen die Lufthansa ihre Catering-Tochter spätestens im nächsten Jahr abgeben wird. Ein Datenraum für Kaufinteressenten ist ebenfalls noch nicht eingerichtet. Doch Lufthansa-Chef Christoph Franz sucht idealerweise einen strategischen und kapitalstarken Partner, der etwas vom globalen Verpflegungsgeschäft versteht. Der Kreis dürfte klein sein: Der Caterer Aramark könnte dazugehören, die Compass Group und Sodexo. Der Verkauf an einem Finanzinvestor oder ein Börsengang jedenfalls gelten als unwahrscheinlich.
Die Lufthansa-Tochter mit Hauptsitz im hessischen Neu-Isenburg wird schon mal neu ausgerichtet, um attraktiver zu werden für die Übernahmeinteressenten, denen in einem ersten Schritt bis zu 49 Prozent angeboten werden sollen. "LSG stellt sich noch besser auf und muss das eigene Ergebnis verbessern", sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz der FTD mit Blick auf das Sparprogramm an den deutschen LSG-Standorten. Bis zu 1000 Stellen stehen hier zur Disposition. Der Manager will sich mit der Lufthansa auf das reine Fluggeschäft konzentrieren. Die Bordverpflegung gilt da nur noch als Randaktivität.
Geprägt wird dieser Markt von der profitablen Tochter LSG Sky Chefs und vom großen Konkurrenten Gate Gourmet aus der Schweiz. Während die Lufthansa-Tochter mit einem Umsatz von 2,3 Mrd. Euro (2011) auf einen globalen Marktanteil von 26 Prozent kommt, hält die börsennotierte Gate Gourmet mit einem Umsatz von umgerechnet 2,2 Mrd. Euro rund 25 Prozent des Marktes. Beide Firmen beliefern Fluggesellschaften auf der ganzen Welt mit Getränken, Schnittchen, Snacks und Menüs: LSG nennt mehr als 300 Airlines als Kunden, Gate Gourmet 270 Fluggesellschaften.
Jenseits der beiden Marktführer gilt die Branche als zersplittert. Kleinere, unabhängige Anbieter wie Flying Food oder Newrest tummeln sich mit den Catering-Töchtern von Airlines wie Chelsea, die zu Continental gehört, oder Servair, einer Tochter des Air-France-Konzerns. Auch die asiatischen Fluggesellschaften halten sich zumeist noch ihre eigenen Caterer, weil dort die Bordverpflegung traditionell als wichtiges Unterscheidungsmerkmal gilt. Besonders wachstumsstark zeigt sich die Alpha Flight Group, die zur staatlichen Fluggesellschaft Emirates aus Dubai gehört. Alpha und LSG werden bald Partner in Großbritannien sein - beide haben bei der EU-Kommission die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens angemeldet, das auf einen Jahresumsatz von umgerechnet 406 Mio. Euro kommt. Da sei es nicht auszuschließen, dass die finanzstarke Emirates auch für den gesamten LSG-Konzern Interesse zeigt, sagte ein Branchenexperte.
Die besondere Herausforderung in diesem Geschäft ist nach Auskunft einer LSG-Sprecherin die Logistik und die Präsenz auf den Flughäfen dieser Welt. Sich rasch ändernde An- und Abflugzeiten, Flugzeugwechsel, unterschiedliche Bordküchen -dafür sei ein besonderes Know-how notwendig. Und genau diese Expertise könnten milliardenschwere Catering-Konzerne wie Aramark aus den USA, die britische Compass Group (in Deutschland unter der Marke Eurest bekannt) oder Sodexo aus Frankreich durch einen Einstieg bei LSG Sky Chefs erwerben.