Erich Kellerhals ist in Ingolstadt so etwas wie ein Heiliger. Von dort hat der 72-Jährige die zweitgrößte Elektrohandelskette der Welt aufgebaut und Mitarbeitern so indirekt die Anschaffung von Ferrari- und Teppichsammlungen ermöglicht. Die Dienstwagenrichtlinie ist eine der komfortabelsten in Deutschland, die Stadt hat eine Veranstaltungshalle - die Saturn-Arena. Selbst das Hotelgeschäft ist zum großen Teil in der Hand seiner Familie.
Doch in den vergangenen Wochen ist Kellerhals - vielleicht zum ersten Mal überhaupt - aus der Firma heraus ernsthaft angegangen worden. Laut FTD-Informationen hat die Geschäftsführung den Gründer in einem Schriftwechsel scharf kritisiert. Das berichten mehrere Personen aus dem erweiterten Unternehmensumfeld, zu dem auch der Media-Saturn-Großaktionär Metro gehört. Demnach moniert die Geschäftsführung, dass Kellerhals mit seinem sprunghaften Verhalten Unruhe in den Konzern bringe - offenbar eine Replik auf einen ähnlichen Vorwurf von Kellerhals an die Geschäftsführung.
Dass der Streit gerade jetzt öffentlich wird, ist brisant: Am Donnerstag verhandelt das Oberlandesgericht München eine Klage, mit der Kellerhals gegen Metros Versuch vorgeht, sein Vetorecht bei dem Elektrohändler auszuhebeln. Zwar hält der Düsseldorfer Konzern gut drei Viertel der Aktien. Er braucht im Gesellschafterausschuss aber Kellerhals' Stimmen, weil Entscheidungen mit einer Mehrheit von 80 Prozent gefällt werden müssen.
Ohnehin ist der Streit mit der Geschäftsführung aus mehreren Gründen spektakulär: Einerseits ist eine solche Palastrevolution gegenüber dem immer noch mächtigen Patriarchen schon an sich außergewöhnlich. Vor allem aber zeigt er, dass der Streit der Gesellschafter Metro und Kellerhals um die Macht bei Media-Saturn spätestens jetzt auf Geschäftsführung und Geschäfte des größten europäischen Elektrohändlers durchschlägt. "Von Entspannung kann (..) keine Rede sein", ließ Kellerhals jüngst über die "Lebensmittelzeitung" verbreiten.
Dem Händler droht in der Folge eine veritable Führungskrise. Der Posten des Finanzchefs ist nach dem Abgang von Rolf Hagemann unbesetzt. Im zweiten Halbjahr müsste zudem der Ende 2013 auslaufende Vertrag von Media-Saturn-Chef Horst Norberg verlängert werden. Gleichzeitig steht eine Investitionsentscheidung im Milliardenumfang an: Im dritten Quartal wollen die Gesellschafter nach einer zweijährigen Testphase entscheiden, ob sie in China expandieren oder sich aus Asien zurückziehen wollen. Ohne Entscheidung kann die Geschäftsführung jegliche Budgetplanung für 2013 eigentlich einstellen.
Auslöser des schriftlichen Wortgefechts zwischen der Geschäftsführung und Kellerhals ist das jüngste Hickhack um die Bestellung eines Interimsfinanzvorstands. Metro-Chef Olaf Koch und Kellerhals hatten einige Wochen nach dem Abgang von Hagemann bei einem persönlichen Gespräch - im Beisein von Norberg und mindestens eines weiteren Media-Saturn-Vorstands - über die Bestellung des Metro-Managers Georg Mehring-Schlegel zum Interimsfinanzchef gesprochen. Metro-Vertreter und Geschäftsführer verließen die Runde in dem Glauben, Kellerhals' Zustimmung dazu vernommen zu haben. Die Personalie wurde einige Tage später intern in einem Mitarbeiter-Rundschreiben verkündet. Danach opponierte Kellerhals allerdings massiv, sprach Mehring-Schlegel auf seiner privaten Internetseite die Kompetenz ab und warf Norberg vor, Unruhe in das Unternehmen zu bringen - woraufhin dieser seinerseits Kellerhals bezichtigte, der Unruhestifter zu sein.
Den Beteiligten ist der Vorgang extrem unangenehm. Ein Media-Saturn-Sprecher verwies auf die Neutralität des Unternehmens in Gesellschafterfragen, Sprecher von Metro und Kellerhals' Holding Convergenta verweigerten den Kommentar.