Jahrelang hatten sich Mäuse, Motten und Schaben in der Fabrik so groß wie sieben Fußballfelder häuslich eingerichtet. Seit Juli 2009 kontrollierten die Lebensmittelbehörden die Produktionsanlagen 21 Mal, ließen Schmuddelware mehrmals vernichten, sprachen Buß- und Zwangsgelder von zusammen fast 70.000 Euro aus. In mindestens drei Fällen waren die Brezn und Brote schon in den Läden - ob auch in den Mägen der Kunden, wollen die Aufsichtsbehörden nicht sagen.
Doch zur Schließung der Fabrik und zaghaften Aufklärung der Verbraucher kam es erst am 30. Januar 2012. "Die rechtlichen Voraussetzungen hierfür waren nicht gegeben", hieß es lapidar beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf die Frage, warum der Schritt nicht schon früher erfolgte.
Seit die Backöfen in dem 2003 mehrheitlich an den Multimillionär Klaus Ostendorf verkauften früheren Familienunternehmen kalt sind, ging bei den Mitarbeitern die Angst um. Gesellschafter und Geschäftsführung schwiegen.
Wütend waren auch viele Verbraucher. Fahrer von Müller-Brot-Lastern mussten sich beschimpfen lassen, sogar Autoscheiben wurden eingeschlagen. Der Discounter Lidl hatte seine Aufträge storniert, andere Großkunden wollten nachziehen. Verzweifelte Pächter von Müller-Brot-Filialen, die nicht einmal mehr die derzeit zugekaufte Fremdware anderer Großbäckereien loswerden, solidarisierten sich.