FTD.de » Unternehmen » Versicherungen » Versicherer sieht noch kein Ende der Finanzkrise

Merken   Drucken   23.02.2012, 13:29 Schriftgröße: AAA

Allianz-Konzern: Versicherer sieht noch kein Ende der Finanzkrise

Die Allianz muss mit einem Ergebniseinbruch von 46 Prozent wegen der Finanzkrise fertig werden. Trotzdem will der Versicherer den Zukauf von Gesellschaften prüfen. In der Lebensversicherung plant der Konzern neue Angebote, bei denen die Zinsgarantie nicht mehr lebenslänglich gilt. von Herbert Fromme 
Der weltgrößte Versicherer Allianz  sieht noch kein Ende der Finanzkrise. "Sind wir raus aus dem Sturm? Ich glaube nicht", sagte Konzernchef Michael Diekmann . Es gebe viele Mechanismen. Jetzt müssten sie umgesetzt werden, forderte er. "Mittelfristig geht es darum, Wachstum zu schaffen", sagte Diekmann. Das beziehe sich nicht allein auf Deutschland, sondern auch auf die Peripherie. Er selbst habe früh einen Marshallplan für Griechenland gefordert. Das gegenwärtig "künstlich niedrig gehaltene Zinsumfeld" dürfe nicht so bleiben. Sonst gebe es erneut die Gefahr von Blasen.
Die Geduld der Kapitalmärkte sei begrenzt. "Wir müssen mit weiterer Volatilität rechnen." Die Allianz sieht er "sehr gut auf 2012 vorbereitet". Bei der selbst definierten Kennzahl des operativen Gewinns rechnet Diekmann mit einer leichten Steigerung im laufenden Jahr. Zum erwarteten Jahresergebnis für 2012 sagte er nichts.
Diekmann gab erneut eine Vertrauenserklärung für Italien ab. Der Konzern hält 26 Mrd. Euro an Staatsanleihen des Landes. "Ökonomisch wäre es vernünftig, das Exposure zu erhöhen", sagte er. "Wir tun das nicht, um die Investoren nicht zu verunsichern." Das beziehe sich vor allem auf Anleger aus den angelsächsischen Märkten.
Allianz-Chef Michael Diekmann  will sich ergebende Gelegenheiten ...   Allianz-Chef Michael Diekmann will sich ergebende Gelegenheiten für Zukäufe prüfen
Die Allianz musste 2011 einen Gewinnrückgang um 46 Prozent von 5,2 Mrd. Euro auf 2,8 Mrd. Euro hinnehmen. Hauptgrund waren Wertminderungen aus Griechenlandanleihen, Bankpapieren und Aktien. Der operative Gewinn belief sich auf 7,9 Mrd. Euro, 4,9 Prozent unter den 8,2 Mrd. Euro des Vorjahres. Die Dividende will der Konzern dennoch bei 4,50 Euro halten. Die Naturkatastrophen - in erster Linie in Thailand, Australien, Neuseeland und den USA - belasteten den Versicherer 2011 mit 1,8 Mrd. Euro, das waren 0,5 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr.
Diekmann sagte, die Allianz werde Möglichkeiten zu Übernahmen genau prüfen, auch wenn es keinen "unbedingten Handlungsbedarf" gebe. In den vergangenen Jahren hatte die Allianz Zukäufe kritisch gesehen, die neuen EU-Regeln Solvency II sorgten für viele Unsicherheiten. "Diese klären sich jetzt nach und nach", sagte Diekmann. "Gleichzeitig ergeben sich infolge von Geschäftsmodelländerungen der Banken oder aufgrund krisenbedingter Schwächen von lokalen Wettbewerbern neue Gelegenheiten."
Anlagevorstand Paul Achleitner , der als Aufsichtsratschef zur Deutschen Bank wechselt, kündigte eine mögliche Änderung der Anlagepolitik bei den Aktien an. "Wir sind bei Aktien sehr zurückhaltend, es könnte aber sein, dass sich im Laufe des Jahres ein Umschwung ergibt", sagte er. Zurzeit hält die Gruppe sechs Prozent ihrer Kapitalanlagen von 461 Mrd. Euro in Aktien - 90 Prozent oder 416 Mrd. Euro liegen in festverzinslichen Titeln, davon 148 Mrd. Euro direkt in Staatsanleihen.
Achleitners Optimismus bei Aktien wird von Finanzvorstand Oliver Bäte nicht geteilt. "Wir wollen das Aktienrisiko verringern", sagte er zur Lebensversicherung. Außerdem will das Unternehmen neue Formen der Garantieverzinsung einführen. Der Versicherer brauche "eine dynamische Adjustierung" der Mindestverzinsung, sagte Bäte. Konzernchef Diekmann ergänzte, er könne sich eine Neufestsetzung der Garantiesätze beim Wechseln von der Ansparphase in die Auszahlungsphase bei privaten Rentenversicherungen vorstellen.
Der Gesamtumsatz des Konzerns ging um 2,7 Prozent auf 104 Mrd. Euro zurück - getrieben durch einen Rückgang um 7,4 Prozent in der Lebens- und Krankenversicherung auf 53 Mrd. Euro. Die Allianz habe bewusst weniger "marktsensitive Anlageprodukte" verkauft, um die Gewinnmargen zu erhalten.
02:58:22 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Allianz 73,11 EUR   +0,03%  0.02
  • FTD.de, 23.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  31.05. Wirtschaft Spendierhosen bei VW sitzen enger
Wirtschaft: Spendierhosen bei VW sitzen enger (00:01:36)

Der Tarifabschluss für die Angestellten des Automobilkonzerns entspricht weitgehend dem Flächenvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Laut IG-Metall ist er aber "einen Schnaps besser". mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6264,38  [-16.42 -0,26%
  Dow Jones 12393,45  [-26.41 -0,21%
  Nasdaq Composite 2827,34  [-10.02 -0,35%
  Euro Stoxx 50 2118,94  [2.76 +0,13%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote