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Merken   Drucken   07.03.2011, 11:50 Schriftgröße: AAA

E-Call: Versicherer fürchten Rettungssystem für Autos  

Nach dem Willen der EU soll künftig jeder Neuwagen mit einem Gerät ausgestattet sein, das bei einem schweren Unfall einen automatischen Notruf absetzt. Teile der Assekuranz sorgen sich, dass die Autohersteller die neue Technik nutzen werden, um das Schadenmanagement der Versicherer zunichte zu machen. von Friederike Krieger und Herbert Fromme 
Versicherer laufen Sturm gegen die von der EU-Kommission geplanten Notrufsysteme für Neuwagen in der bislang geplanten Form. Sie fürchten, dass die Autohersteller die neue Technik dazu nutzen werden, Unfallwagen gezielt in ihre Werkstätten zu lotsen. "Wir können den Schaden dann vielleicht nicht mehr managen und zahlen viel höhere Werkstattrechnungen", monierte Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstand der HUK-Coburg.
Die EU will Autohersteller und Mobilfunkanbieter zur Umsetzung eines elektronischen Sicherheitssystems namens E-Call (für Emergency Call, Notruf) bringen. In Neuwagen wird ein Gerät installiert, das bei einem schweren Unfall automatisch den Rettungsdienst alarmiert und wichtige Informationen wie die Koordinaten des Unfallorts weiterleitet. Zusätzlich baut es eine Sprachverbindung auf. Die EU schätzt, dass sich bei Einführung des Systems die Zahl der Unfalltoten europaweit jährlich um rund 2500 verringern lässt. Die Versicherer sind für E-Call, aber nicht wie bislang geplant. Sie fürchten, dass die von den Herstellern programmierbaren Servicefunktionen bei Pannen und kleinen Unfällen deren Werkstätten bevorzugen. Ursprünglich sollte E-Call schon bis 2009 in ganz Europa funktionieren, jetzt ist 2014 anvisiert. Die Kommission hat gedroht, gesetzgeberisch tätig zu werden, falls auf freiwilliger Basis nichts geschieht.
Hintergrund des Kraches ist ein erbitterter Kampf zwischen der Mehrheit der Assekuranz auf der einen Seite und den Autoherstellern sowie einigen mit ihnen verbündeten Versicherern auf der anderen. Die Hersteller wollen möglichst viele Unfallfahrzeuge in ihre Vertragswerkstätten lenken, damit sie besser ausgelastet sind. Das ist einer der Gründe für VW, mit der Allianz  zu kooperieren und 1,2 Millionen Fahrzeuge über den VW Versicherungsdienst dort abzusichern. Marktführer HUK-Coburg dagegen hat zusammen mit anderen Versicherern ein eigenes Werkstattnetz aufgebaut, das zu niedrigeren Stundensätzen arbeitet. Die HUK gewährt ihren Kaskokunden 20 Prozent Beitragsnachlass, wenn sie ihre Autos im Schadensfall in einer Partnerwerkstatt reparieren lassen.

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