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Merken   Drucken   22.10.2010, 06:50 Schriftgröße: AAA

Folge der Finanzkrise: Privatversicherte müssen bluten

Exklusiv Nicht nur die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen verteuern die private Krankenversicherung. Weil ihre Rücklagen derzeit so niedrig verzinst werden, wollen die Anbieter die Versicherungsbeiträge um bis zu acht Prozent anheben. von Herbert Fromme  und Ilse Schlingensiepen, Köln
Privat Krankenversicherte müssen wegen der Finanzkrise deutlich höhere Beiträge fürchten. Grund hierfür ist, dass die niedrigen Marktzinsen die Bilanzen der Krankenversicherungen belasten. Allein wegen der geringen Renditen sind Prämienerhöhungen von sechs bis acht Prozent nötig, haben Gesellschaften nach FTD-Informationen errechnet. Dazu kommen noch die normalen Beitragsanpassungen wegen der höheren Kosten im Gesundheitswesen.
Das Problem: Damit der Schutz auch für ältere Kunden noch bezahlbar ist, müssen die 46 deutschen Krankenversicherer aus einem Teil ihrer Beitragseinnahmen Rückstellungen bilden. Diese Rückstellungen von zurzeit 144 Mrd. Euro müssen sie zu einem speziellen Satz verzinsen. Dessen Obergrenze - der sogenannte Höchstrechnungszins - wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Das hat den Zweck, dass die Versicherer nicht auf Grundlage von riskanten Zinskalkulationen versuchen sollen, Kunden mit günstigen Angeboten zu ködern.
Seit über 50 Jahren liegt der Satz unverändert bei 3,5 Prozent - anders als in der Lebensversicherung, wo es aktuell 2,25 Prozent sind. Wenn die Gesellschaften das Geld ihrer Kunden in Staatsanleihen anlegen, bekommen sie heute aber kaum mehr als 2,5 Prozent - zwischen den zugesagten und den erwirtschafteten Leistungen klafft potenziell eine riesige Lücke.
Alle Krankenversicherer garantieren ihren Kunden heute den Höchstsatz von 3,5 Prozent. Doch mindestens zehn Gesellschaften haben große Schwierigkeiten, ihn einzufahren. Daher gibt es starke Kräfte in der Branche, die eine vorübergehende Absenkung auf 3,0 Prozent befürworten. Auf breiter Front müssten die Anbieter dann mit niedrigeren Zinseinnahmen kalkulieren. Die bisherigen Rückstellungen würden für die Ansprüche der Kunden nicht mehr ausreichen. Sämtliche Krankenversicherer müssten die Preise erhöhen und die Rückstellungen stärken.
Unter den Versicherern tobt ein heftiger Streit. Die Mehrheit der Gesellschaften sowie die Spitze des Branchenverbands PKV halten strikt dagegen: Sie fürchten, dass eine Absenkung des Zinses fatale Folgen für das Versicherungsgeschäft hätte. Die schwarz-gelbe Koalition hatte den Privatversicherern weitreichende Zugeständnisse gemacht, um ihre Position im Gesundheitssystem zu stärken. Dies könnten allgemeine Preiserhöhungen wegen der Niedrigzinsen zunichtemachen.
Die schwächelnden Gesellschaften dagegen wollen verhindern, dass sie nur für ihre Kunden den Zins absenken müssen. Die betroffenen Versicherer müssten deutlich höhere Beiträge verlangen als Konkurrenten - was ein klarer Wettbewerbsnachteil wäre.

Teil 2: Prämien für Ältere werden wohl steigen

  • Aus der FTD vom 22.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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